T a g e b u ch.
i.
Aus Paris.
April. —
Die hiesigen Corrcspondenten in deutschen Blättern haben fast allgemein die Nachricht verbreitet, das Haus Rothschild hatte die Zurücknahme der bekannten russischen Juden-Ukase bewerkstelligt. Erlauben Sie mir, Ihnen über diesen Gegenstand einige Aufschlüsse zu geben, einerseits, weil die Zurücknahme jener grausamen Maßregel in neuester Zeit überhaupt zweifelhaft geworden ist, andrerseits, weil ich aus bester Quelle die Versicherung leisten kann, daß der Einfluß der Familie Rothschild in dieser Sache ganz unfruchtbar gewesen ist. Wahrend der Anwesenheit des Grafen Orloff in Wien hat der Wiener Nothschild sowohl mit diesem Diplomaten, als auch mit dem dortigen russischen Botschafter, Grafen von Medem, ernstliche Unterhandlungen gepflogen, auf welche Weise man zu Gunsten der armen russischen Juden beim Kaiser interveniren könnte. Beide Staatsmanner riethen ihm jedoch von jedem directen Schritte ab, indem man gerade einen solchen als das sicherste Mittel schilderte, den Kaiser auf seinem Entschlüsse beharren zu machen. I^'vmnei-vui- — sagte einer von den beiden Herren — v'est un put «je lor cmitre «mi <:liium,z nnti-l? vnluntv doit st! »risvl- commv »n ps,t dc? toi-ro. — Auf diesen Rath hin unterließ das Haus Rothschild in der That jeden directen Schritt. WaS die Rothschilo'sche Familie in dieser Sache thun konnte, kam meist auf gesellschaftlichem Wege zu Stande, und dafür fand sich hier allerdings in Paris der Mittelpunkt. Die Baronin Rothschild, eine der geistreichsten und beliebtesten Damen der Pariser Welt, nahm die Fäden auf und wirkte mit jener feinen