Beitrag 
Tagebuch.
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

U a g e b u ch.

i

A u ö W i e n.

Das Burgtheater. Herr von Holbein. Halm's Sampiero und die (Zen­sur. Eine Geistergeschichte. Posen und Gallizien. Biedermcinn'6 Mo­natsschrift. Cäsario von Wolf.

Der neue Theaterintcndant, Landgraf von Fürstcnberg, wurde an, 2. Februar dem gcsammten Personale dcS Hofburgthcaterö feierlich vor­gestellt. Herr von Holbcin behält zwar seinen Titel als Theaterdircctor, erhält jedoch nun einen obersten Herrn, den er bei Besetzung und An­nahme von Stücken in letzter Instanz zu Rathe ziehen muß. Der Mann, der als unbeschränkter, selbständiger Chef an die Spitze eines geachteten imponirenden Kunstinstitutcs berufen wurde, hat es durch seine Acngstlichkeit und ungeschickte, übclangcwandtc Diplomatie dahin gebracht, daß man ihm von Unten wie von Oben, unter den Schau­spielern wie im Publieum, die Capacität zu seinem Amte absprach. Nun hat er einen Herrn, da er doch ein Mal durchaus Diener sein wollte, und allgemein ist man damit zufrieden. Der Landgraf von Für- stenbcrg ist ein Greis von siebzig Jahren, aber rührig und mit dem Aussehen eines Fünfzigers. Er hielt eine hübsche warme Antrittsrede und sagte am Schlüsse, er hoffe, die deutschen Bühnendichter würden den ausgezeichneten Talenten des Burgthcaters Gelegenheit gebe», in vielen neuen Stücken ihre Kraft zu entwickeln. > Neue Stücke thuu dem Burgthcater in der That Noth. Kotzebne und Jffland sind seit langer Zeit sein tägliches (altbackenes) Brod. Halm'S Sampiero ist leider nicht glücklich ausgefallen, obschon er bei der zweiten Vorstellung bedeutende Abänderungen gemacht hat. Beim ersten Male wurde Sam­piero, nachdem er seine Frau erstochen, alsoglcich von ihrem Bruder niedergemacht. Dieses Gemetzel machte, statt eine tragische, eine komi­sche Wirkung und war theatralisch ganz unglücklich. Bei der zweiten Aufführung ließ der Dichter seinen Helden om Leben, und nachdem er aus Egoismus und leeren Schönrednereien seine Gattin er­mordet, geht der Mörder, von keiner Nemesis erreicht, ganz gemüthlich ab, waS den nothwendigen dramatischen Schluß des Stückes ganz vernichtet und einen empörenden Eindruck hinterläßt. Auch ist mit einer Abänderung des Schlusses dem Drama nicht zu helfe», da die Hauptkrankhcit desselb«, in der verfehlten Charakteristik der beide» Haupt-