Halm's Sampiero.
(Aufgeführt den 22. Januar im k. ?. Hofburgtheater zu Wien.)
Halm'S „Sampiero" ist ein neuer Beweis, daß der Wogenschlag der Zeit nicht verhalle am umfriedeten Oesterreich; daß wir hier die Rufe vernehmen, die von „Draußen" kommen und daß auch wir mit Deutschland neuen Erkenntnissen entgegenreifen. Auch wir wissen es nun, daß die Bühne nicht mehr eine im alten Sinne „moralische" Anstalt bleiben könne, sondern ihrer Bestimmung immer näher schreite, Tribune, Organ der Volksstimme zu werden. Halm hat es versucht, jene ersehnte Stimme von der Tribune schallen zu lassen, er hat ein politisches Drama geschrieben. — Uns liegt hier die Erörterung, ob und wie ihm dieser Versuch gelungen, weniger am Herzen, als der Ausdruck unserer Freude, daß ein Dichter wie Halm, von den triumphirenden Zeitideen gedrängt, den neutralen Boden des sagenhaften, oder blos erdichteten, sogenannten rein ästhetischen DramaS verKissen, in die Geschichte greifen und uns ein Kapitel aufschlagen mußte, daraus uns verwandte Gesinnung, begeisternde Thatgedanken wie aus einem Spiegel mit ernsten Augen entgegenblicken. Das ist der Triumph unserer Zeit, daß sie die Gleichgiltigsten zur Parteier- gretfung, die Träumerischen zum Denken, die Abstracten zur That hindrängt und ein doppelter Triumph ist es, wenn es in Oesterreich geschieht, dem Lande voll Schranken und Verschlüge, der Heimath des that- und gedankenlosen „Gemüths", dem Vaterlande der vortrefflichen Lyrik.
Daß es Halm nicht gelang, einer historischen Idee das gehörige Blut und Fleisch zu geben, — wie natürlich ist das bei einem Dichter, der bis jetzt gewohnt war, an den nebligen Sagen der Tafelrunde, an TriSmegystos göttlichem Merkur, an den Gefühlen einer Massalischen Bürgerin und eines Tektosagenhäuptlings sich zu begeistern. — Das ist ja ein erster Versuch eines neuen Dichters auf