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Literaturbriefe von F. Gustav Kühne : Waldfräulein von Zedlitz. Vier Brüder aus dem Volk.
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Literaturbriese von F. Gustav Kühne.

Waldfräulein von Bedlitz. Vier Brüder aus dem VolK

von Josef Rank.

Nein, meine Freundin, es gibt noch Unschuld - auch in der Literatur. In der Welt? Wer wollte das bezweifeln! Mit jedem neuen Gefchlecht, mit jedem neugeborenen Menschen wird eine neue Anwartschaft zur Wahrheit gegeben, tritt die Möglichkeit zum reinen Wandel von Neuem an's Licht. In dieser Unverwüstlichkeit liegt ja das Heil der Menschheit. Diesen Glauben lasse sich Niemand neh- men, und wenn Sie das nahe Weihnachtsfest feiern, meine Freundin, feiern Sie es in diesem Sinne, und Sie werden, wenn der Mythus nicht mehx ausreicht, im Bedürfniß der Menschennatur noch immex Stoff genug zux festlichen Stimmung finden. Das Leben der Men- schen steht überhaupt aus viel festeren Füßen, als was wix Literatur nennen, diesex so gefürchtete ,,Coloß auf thönernen Beinen". Was für das Menfchenleben Noth thut, ist unabweislich, seine Hilssquel- len sind uuerschöpflich. Selbst dex Staat, so oft ein Gebäude alter Vorurtheile, ein Labyrinth morscher Baufälligkeiten, gehorcht dem Be- dürfniß, dex Nothdurft uud gewinnt annäherungsweise seinen Theil an dex Wahrheit. Die Poesie eines Zeitalters ist weit mehr ein Be-- reich der Einbildungen. Wo die Menschen ihren Glauben und ihre Wahrheit zux ^Schönheit entfalten sollten, sind sie nicht selten am un- wahrsten und belügen sich aus Eigensinn oder Schwäche. Die Kranken in der Einbildung sind bekanntlich die gefährlichsten, und die Literatur manches Zeitalters erscheint in dex That wie ein hartnäcki-

gex Paiient, den man nicht gern aufgeben möchte und für den es

Grenzboten 1844. 1. 9^ ^