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Musikalische Charakteristiken: Karl Maria von Weber.
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In der That ist überaus wenig Aehnlichkcit zwischen beiden Partituren zu bemerken. Die Musik des Oberon trägt nicht wie die des Freischützen den Stempel eines bisweilen wilden und großartigen Charakters, sie ist viel­mehr in einein sanften, melancholischen Styl verfaßt, und ist reich an neuen Wirkungen von einer delikaten und gefälligen Gattung. Ueber mehre Stücke darin ist eine Färbung von außerordentlicher Originalität verbreitet, allein in einigen anderen Abtheilungen der Oper ist Schwäche und Monotonie zu verspüren. Betrachtet man das Ganze der Composition, so muß man sie unter der des Freischützen erkennen; dcmnngcachict sind die schönen Stellen, welche sich in großer Menge darin vorfinden, von einer neuen und so gefälligen Gattung, daß man nicht in Abrede stellen kann, die Arbeit sey ganz des Genies Webers würdig. Der einzige Fehler, den man ihm mit Gruud vorwerfen kann, ist der, daß man keine große Entwickelung irgend einer Form darin antrifft. Die körperlichen Leiden des Künstlers haben ihre Spuren in seiner Arbeit hinterlassen. Vierundzwanzigmal ward Oberon unter Weber's unmittelbarer Leitung aufgeführt, er hatte aber keine Ursache, mit seinen Zuhörern in dem Maaße zufrieden zu sein, wie er und seine Freunde es sich vorgestellt hatten.

Die zwei Theater Coventgarden und Drurylane sind fast immer in Opposition gegen einander; wenn eins von beiden etwas unternimmt, um das Publikum an sich zu locken, gleich wird dies vom Andern nachgeahmt. Der Direktor des letztbenanntcn Theaters trug unvcrwcilt dem Componisten Bishop die Anfertigung einer neuen großen Oper auf, sobald er nur ver­nommen hatte, daß Weber seine Partitur des Oberon aus Deutschland mit sich bringen werde. Vishop, der als Musiker einiges Verdienst hatte, aber nie im Stande war, etwas zn erfinden, ward zum Nebenbuhler Weber's erklärt, ungeachtet des himmelweiten Abstandcs, der ihn von dem großen Künstler trennte. Freilich gab ihm seine Eigenschaft als gcborncr Engländer einen Vorzug, der dem Verdienste seines Concurrenten die Stange zu halten vermochte. Acht Tage nach der ersten Vorstellung des Oberon ward Bi- shop's Oper: Aladin auf der Bühne des Drurylaue gegeben; das Stück hatte einen unerineßlichen Zulauf und erweckte daS lebendigste Interesse. Die Freunde des englischen Musikers machten ihre Sache so gut, daß dieser sich einbilden konnte, er habe den erlauchten Künstler, dessen würdiger Neben­buhler er zu sein glaubte, aus dem Sattel gehoben.

Weber dachte nunmehr nur noch daran, sich seinen fernern Auscuthalt in London so einträglich als möglich zu machen, ohne jedoch die Erwar­tungen weiter zu nähren, welche er mit sich dahin gebracht hatte. Er beschäftigte sich mit der Organisation eines Concertes zu seinem Benefiz, welches in der That Statt fand, und in welchem mehrere neue von ihm