170
und Duldm dieses Herrschers verwickelt war, schlingen sich in dem Kampfe mit seinein Sohne, dem nachinaligen Kaiser Heinrich dem fünften, zusammen. Die fernsten und ältesten Gefahren, die ihm von Rom, von Sachsen, Baiern drohetcn, der Haß so vieler, gegen ihn verschworner, Reichs- und Kirchcn- fürstcn, drängen sich, bei diesem Abfall, in das Kaiserliche Haus, in seine allernächste Umgebung. Hier ist der Fürst und der Vater, das Neichshaupt, der Freund der Städte, der Nebenbuhler Roms, der in so vielen Kämpfen verherrlichte Krieger und der früh gealterte Greis ein und dieselbe Person. Alle frühern Begebnisse, die übermühtigen Scenen um Harzburg, die niederbeugende von Canossa, die winterliche Alpcnfahrt, die Züge in Deutschland und Italien, der Triumph über den geistig unbesiegten Papst, die Gegenkönigschaft von Rudolf, Hermann und dem älteren Sohne Konrad, sind nur die Stufen, um das Leben und Schicksal Heinrichs nach und nach zu der letzten Entscheidung zu spannen, es auf den Grad zu heben, wo die Geschichte der Dichtkunst den Griffel reicht.
Die nachfolgenden Blätter theilen eine Scene aus einein Trauerspiele mit, welches die letzten Lebensjahre des Kaisers, seit dem Aufstande seines Sohnes, des Deutschen Königs Heinrich, bis zu seinem Tode in Lüttich umfaßt. — Auf dem Reichstage zu Fritzlar, wo er ,im Begriffe war, die kaum hergestellte Ruhe des Reiches zu sichern, erhält der Kaiser die Kuude von dem Aufstande seines Sohnes. Verschiedene sächsische Bischöfe, der aus Mainz vertriebene Erzbischof Nothard, Herzog Magnus von Sachsen, der lange Zeit in Kaiserlicher Gefangenschaft gehalten war, Herzog Welf von Baiern, früherer Wohlthaten seines Herrn uncingedenk, treten in kurzer Zeit zu der Partei des jungen Heinrich, der gegen seinen Vater, auf welchem noch immer der päpstliche Bann lastete, bald ein mächtiges Heer zusammenbringt. Nach verschiedenen Feldzügen und Belagerungen, stehen die beiden Heere, in gleicher Stärke, bei Negcnsburg einander gegenüber. Auf den Rath, und vermittelst der Unterhandlungen des Legaten Gebhard von Constanz zieht der König Heinrich zwei der vornehmsten Anhänger des Kaisers, den Markgrafen Leopold von Oestreich und den Herzog Boriwoi von Böhmen zu seiner Sache herüber. Den ersten gewinnt er durch die Aussicht auf die Vermählung mit der Tochter des Herzogs Friedrich von Schwaben, jenes biedern Waffen freundes Kaiser Heinrichs; den andern durch Verheißung des Königstitels und neuer Belehnungen. Der Abfall dieser Fürsten und der im Lager laut werdende Unmuth über den häuslichen Krieg, macht den Kaiser einem Betrüge zugänglich, wodurch das Glück gänzlich auf des Sohnes Seite gespielt wird. Heinrich, der König, läßt dem zum Mißtrauen geneigten Vater die Botschaft bringen, daß man im Lager selbst gegen ihn Verrath und Mord anspinne; er zeigt ihm heimliche Flucht als einziges