Beitrag 
Pfisters Mühle : ein Sommerferienheft :
(Schluß.)
Seite
651
Einzelbild herunterladen
 

Literatur.

651

eine Bleche, ein Geblöke, ein Orhgmos, ein Geheul, kurz eine Korkvryge, ein Kriegs­geschrei, das ihm sofort zn seiner Mutter Brust verhelfen wird. Da ist sie ja schon mit aufgehobenen Armen und fliegendem Hyankinthosgelock. Na, Pfister, ich denke, der Junge wird ferner gnt werden, nicht aus der Art schlagen und seinem Alten keine Schande machen.

Bei allen Göttern von Hellas, wie kommst du aber zu dieser Nomenklatur des Menschen- und Kindergeschreis, von den Hyankinthoslocken deiner Albertine ganz abgesehen, Adam?

Ja siehst du (meine Fran hat sich mit dem jnngen Molch und Reklame­rich so sest verbissen, daß sie nicht sieht und hört), weißt du, das Handwerk ist doch zu stinkend, und selbst eine solche Hausidylle wie die unsrige reicht gegen deu Überdruß nicht immer aus. Es ist aber nicht das Ganze des Daseins, alle Abende aus der Wäsche von alten Hosen, Unterröcken, Ballroben, Theater- gardervbe und deu Monturstücken ganzer Garderegimenter zu der besten Fran und zum Thee nach Hause zu gehen. Da habe ich mir denn das Griechische ein bischen wieder aufgefärbt nnd lese so zwischendurch den Homer, ohne übrigens dir hierdurch das abgetragene Zitat von seiner unaustilgbaren Sonne über uns aus dcni Desinfektionskessel heben zn wollen.

Literatur.

Aus Carmeu Sylvas Leben. Bou Natalie, Freiiu von Stackelbcrg. Mit zwei Bilduisscu uud einem Facsimile. Heidelberg, Carl Wmters Uuiliersitätsbuchhnndlung, I88S,

„Die eine Gefahr liegt darin, daß ein fürstliches Dasein in dem Genuß des vornehmsten Standes, die andre darin, daß es im dilettantischen Geistesgcnuß völlig verzehrt wird." Dies Zitat aus dem vorliegenden Buche (Seite 93) mag als Beweis für die Berechtigung und das Interesse desselben dienen. Carmeu Sylva ist ein Frauemharakter, der unter allen Umständen unsrer lebhaftesten Sym­pathie und unsrer wahrhaftesten Hochachtung gewiß sein könnte; daß er einer Königin angehört, muß beide Empfiudungen eben um jener zitirten „Gefahren" willen noch steigern. Und so ist es, trotz allen Talents, eben nicht in erster Linie das Talent, sondern der Charakter, den wir an Carmen Sylva verehren schon deshalb, weil nur unter seiner Aegi.de das Talent sich in seiner liebenswürdigen Anspruchs­losigkeit entwickeln konnte. Nicht daß es eben so sehr nötig hätte, anspruchslos zu sein. Die Proben, die uns im vorliegenden Buche mitgeteilt werden, zeigen vielmehr soviel Aufrichtigkeit 'und Ernst des künstlerischen Wollens und soviel Sicherheit uud Gereiftheit des Vollbriugens, daß sie sich dadurch sehr vorteilhaft vor der moderneu Lyrik im allgemeinen auszeichnen.

Die Verfasserin hat das wohl erwogen, und obschon sie uns von der Dichterin Carmen Sylva und nicht von der Königin Elisabeth von Rumänien erzählt, giebt sie doch vorwiegend ein Charakterbild. Freilich kein psychologisch gegliedertes uud kein mit absichtlicher Kunst geordnetes. In schlichter und pietätvoller Anmut wird uns das Lebensbild der edeln Frau entrollt, der das Schicksal vergönnt hat, auf einem Throne vielseitig und umfangreich zu wirken, die aber — davon überzeugt uns das Buch — iu jeder Stellung, auch in der bescheidensten, ihren Platz voll­ständig ausgefüllt und soviel immer möglich segensreich gewirkt haben würde. Und daß es uns davon überzeugt in seiner einfachen, ruhigen, maßvollen Art, ist ein Lob, mit dein manches anspruchsvoller auftretende Werk vollauf zufrieden sein