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Paul Heyses Gedichte.
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Paul Heyses Gedichte.

u keiner gelegeneren Stunde konnte Paul Heyse seine Ge­dichte sammeln und die lyrischen Produkte seines ganzen Lebens, ein Bild seiner gesamten Entwicklung darbietend, zu einem zier­lichen Bande vereinigt dem deutschen Publikum vorlegen,*) Man darf Wohl sagen: wie auf keinen seiner dichterischen Zeitgenossen sind die Blicke der deutschen Nation auf ihu in diesem Momente gerichtet. Er hat sich durch eine stattliche Reihe von geistvollen und schönen Novellen ein treues und verehrungsvolles Publikum geschaffen; er hat in zwei großen Ro­manen die tiefsten Probleme der nach Klarheit und Befriedigung suchenden Gegenwart behandelt, und die Anerkennung seiner Bemühungen um die höchste dichterische Kunstform, um die dramatische, ist ihm schließlich nach langem, hartem Ringen durch die höchste Auszeichnung zuteil geworden, welche das Vater­land seinem Dichter gewähren kann. Wie keine andre Anerkennung, mnß den idealisch nach der Gunst des Volkes strebenden Dichter eben jene letztere erfreut haben, da er keiner von denen ist, die auf erworbeneu Lorbern behaglich ruhen bleiben, ohne immer vorwärts zu streben. Kein zweideutiges Urteil hat ihn je mehr geschmerzt, als wenn man sein Drama mit dem Lobe des Novellisten achtungsvoll ablehnte. Elegisch und spöttisch zugleich äußerte er sich darüber in einem „Reisebriefe an Wilhelm Herz" vom 11. Februar 1878:

Denn jene Zeit ist längst cntflohn, Da ein begnadeter Muscnsohn In seines Wesens mächt'gem Ring Die sieben freien Kunst' umfing, Und es sich schier von selbst verstand, Daß eines bildenden Meisters Hand, Gewohnt, den Marmor zu beHauen, Auch müsse wissen ein Haus zu bauen, Ein Bild zu malen, Laute zu schlagen, In Versen seine Liebe zu klagen. . . . Doch heut verfeindeten sie sich kläglich, Schaut jede eifersüchtig drein, Will ihren Mann für sich allein, Ja selbst in eignen Reiches Grenzen Soll er durch weise Beschränkung glänzen

*) Dritte Auflage, aus dem „Skizzenbuch" und den „Versen aus Italien" vermehrt. Berlin, Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), 133S.