Frauen- und Goldschnitt-Literatur.
von Fritz Uoegel.
s mag manchen verdrießen, aber wir Männer müssen es eingestehen, daß die schöne Literatur jetzt etwas unter dem Pantoffel steht. Ein Holzpantoffel ists ja nicht, seine Absätze sind fein und zierlich, aber ein Seidenpantöffelchen bleibt doch ein Pantoffel, und geschwungen wird er auch, wenngleich von zarter Hand. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob die amtliche Berufsstatistik richtig zählt, wenn sie angiebt, daß unter 21571 schriftstellernden Deutscheu uur 431 Schriftstellerinnen seien, aber unter den Hunderttausenden von Lesern sind sicher dreiviertel Leserinnen.
Von der leitenden geistigen Stellung, die sie im vorigen Jahrhundert einnahm, als sie die Gesamtbildung der Nation umfaßte, ist die schöne Literatur allmählich herabgesticgen. Die große», allgemeinen Interessen des öffentlichen Volkslebens sind andrer Art, die Literatur fließt als ein Flüßchen für sich neben dem großen Strome der sozialen, politischen und wissenschaftlichen Fragen her. Im abgeschlossenen Lese- und Gesellschaftszimmer unter dem Schutze der Frauen, die dem öffentlichen Leben fernstehen, hat sie ihren Ort gefnnden. Freilich dies Lesezimmer liegt nahe genug an der Straße, es dringt mancher Lärm von draußen herein, und laut genug gehts auch drinnen zu, es gleicht den großen Lesecafts, aus denen man durch thürengroße Fensterscheiben das Promenadenleben vorbeiströmen sieht, oder einem großstädtischen Salon, in dem sich eine Menge der verschiedensten Menschen in beständig wechselnden Gruppen flüchtig plaudernd durcheinander drängt. Die lyrisch-literarischen Theeabende früherer Jahrzehnte waren stiller und andächtiger, aber die Frauen regieren darin heute wie damals. Riehl hat heute noch Recht, die Frauen sind am Ende gar das Publikum, und „das Publikum erzieht sich seine Poeten." Die Frauen haben in der That manchen Poeten erzogen, der heute auch bei Männern in hohen Ehreu steht. Paul Hehse ist der geborne Frauenmensch; man merkt es seinen Werken an, daß er zeitlebens die Gesellschaft der Frauen gesucht, vielleicht dem männlichen Umgange vorgezogen hat, das beste an seiner Kunst ist frauenhaft: die zierlich zarte, oft allzu zierliche Form und die weibliche Feinfühligkeit für verborgenes seelisches Leben. Aus dieser ange- bornen und angebildeten Weiblichkeit kommt er nicht heraus, darum müht er