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Cornelius und das Weltgericht.
Wird die Vorschrift der Prozeßordnung, daß die mündliche Verhandlung durch Schriftsätze vorbereitet werden solle und daß diese die Angabe der zur Begründung der Anträge dienenden thatsächlichen Verhältnisse enthalten sollen, in der Weise befolgt, daß sich die Anwälte nicht der möglichsten Kürze in ihren Begründungen befleißigen, selbst wenn diese der Sache offenbar schädlich ist, sondern daß sie dem Gerichte eine wohl vorbereitete vollständige Darstellung rechtzeitig an die Hcmd zu geben suchen, so wird man sagen können, daß sich die deutsche Zivilprozeßordnung in der erörterten Richtuug als ein praktisch brauchbarer und zweckmäßiger Fortschritt vom gemeinen Prozesse bewährt hat, indem sie den Rechtsstreit auf einfachem, kurzem und sicherem Wege seiner Entscheidung zuführt; wird aber der entgegengesetzte Weg eingeschlagen, so könnte bei mancher Partei leicht der Wunsch entstehen, an die Stelle der raschen, aber oberflächlichen mündlichen Behandlung ihrer Rechtssache lieber wieder die etwas langsamere, aber gründliche schriftliche Behandlung treten zu sehen.
(Lornelius und das Weltgericht.
Von Veit Valentin. (Schluß.)
n frühern Zeiten war das anders. Wenn im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert deutsche und italienische Künstler „Weltgerichte" schufen, so standen sie samt den Beschauern auf dem gleichen Standpunkte, welcher die reale Wahrheit des Vorganges in keiner Weise bezweifelt. Demgemäß gab es auch ganz bestimmte Punkte, an welchen in keiner Weise gerüttelt werden durfte, und welche die Grenze für die individuelle Freiheit des zugleich auch auf ästhetische Wirkung ausgehenden Künstlers bildeten. Da war unter dem als Weltrichter erscheinenden Christus der Ort der Auferstehung mit möglichst deutlicher Betonung dieser Handlung; da schieden sich die Guten und die Bösen: jene wurden von den Engeln, diese von den Teufeln in Empfang genommen und nach ihren neuen Wohnstätten geleitet. Paradies und Hölle bildeten gesonderte Räume, durch Architektur der Felsenmassen klar von der Erde, dem Schauplatz des Gerichts und der Auferstehung, geschieden, in vollster Übereinstimmung mit der damals herrschenden kosmischen Weltanschauung. In dem strenge gesonderten Raume konnte sich nun auch Satau selbst präscntiren als Mittelpunkt der mit