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Die große Kunstausstellung in Berlin. 1.
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Die große Kunstausstellung in Berlin.

von Adolf Rosenborg. 1.

ie anderthalbjährige Pause, welche seit der letzten Ausstellung der königlichen Akademie der Künste verstrichen ist, hat auf ihre Nach­folgerin nicht den erwarteten günstigen Einfluß geübt. Wenn man die diesjährige Ausstellung ans den Gehalt an Werken prüft, welche nach menschlicher Voraussicht nach hundert Jahren Zeugnis ablegen können von dem wirklichen Vermögen der gegenwärtigen Kunstepoche, so bleibt die Ausstellung sogar noch hinter der vorigen zurück. Auf dieser paradirte wenigstens ein Meisterwerk, an welchem nicht zu rütteln war: das weibliche Porträt von L. Knaus, und jene Männer, welche man schon seit einer Reihe von Jahren als die Spitzen der Berliner Schule in Ehren hält, Menzel, Gustav Richter, Gussow und Reinhold Begas, waren wenigstens so vertreten, daß sich auch ein Fremdling von ihrer Eigenart einen Begriff hätte machen können. Gustav Richter ist seitdem aus dem Leben geschieden, und wie es häufig zu geschehe» pflegt, die gegenwärtige Kunstausstellung, die erste seit mehr als dreißig Jahren, auf welcher sein Name fehlt, bringt uns erst mit voller Deutlichkeit zum Bewußtsein, was und wieviel wir an ihm verloren haben. Eine Zeit lang schien es, als ob sich ans dem engeren Gebiete des Bildnisses Gnstav Graef neben ihm behaupten wollte; aber diese Hoffnung war eine trü­gerische. Graefs Kolorit wurde von Jahr zn Jahr trockener und schwerfälliger, und seine Auffassung verlor immer mehr an Kraft und Wärme. Jetzt malt er zahme Dutzendporträts, welche sich unter der namenlosen Menge verlieren. Unter dem jüngeren Nachwuchs wäre Fritz Paulsen der einzige, welcher über Vornehmheit der Auffassung und Glanz und Geschmeidigkeit des Kolorits in solchem Maße gebietet, daß man ihm die einem Nachfolger Gustav Richters nötigen Eigenschaften zutrauen könnte. Das Repräsentationsbild des verstor­benen Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, welches auf der gegenwärtigen Ausstellung zu sehen ist, erweckt von neuem eine günstige Vorstellung von seinen malerischen Fähigkeiten und seiner kuustpsychologischen Analyse. Solange sich ihm aber nicht die Aristokratie des Geistes und der Geburt in gleicher Aus­dehnung wie dem im Frühjahr dahingeschiedenen Meister erschließt, wird ihm die Gelegenheit zur vollen Entwicklung seiner Gaben vorenthalten bleiben. Ein ähnliches gilt von zwei süddeutschen Künstlern, welche sich in den letzten Jahren