Johannes Vrahms.
3.
ie Werke für Kammermusik, welche Brcchms bis jetzt veröffentlicht hat, bestehen in zwei Duos, drei Trios, drei Klavierquartetten und drei Quartetten für Streichinstrumente, einem Klavierquintett, einem Streichquintett und zwei Sextetten für Streichinstrumente. Die größere Hälfte dieser fünfzehn Werke gehört der zweiten Periode des Komponisten an, in welcher die Kammermusik den wichtigsten Teil seiner Leistungen bildet.
Das erste der beiden Duos ist die Sonate für Pianoforte und Cello (ZZ-iiioll ox. 38), eine Komposition in drei Sätzen, welche wir zu den bedeutendsten und charakteristischsten Werken des Komponisten zählen. Schon nach den ersten acht Takten weiß man, daß man hier durchaus Eigenes zu erwarten hat: in seinem äußern Aufbau, in den umkleidenden Harmonien, in dem eindringlichen Gesangton bekundet dieses Hauptthema seine Herkunft aus der vollen Phantasie eines Meisters. Wer überhaupt musikalisch zu folgen versteht, kommt in dem ersten Satze dieser Cellosonate aus der Spannung nicht heraus. Unerschöpflich sprudeln frische und gehaltvolle Ideen, jedes dieser Zwischenglieder trägt die Merkmale des Reichtums, die Entwicklung ist überraschend durch die Innigkeit und Unmittelbarkeit der Jdeenmodulcition. Am meisten nimmt das zweite Thema gefangen. Es ist eine Melodie von der prächtigen Ruhe und Milde, wie sie Brcchms allein eigen ist. Sie übernimmt am Schlüsse des Satzes die Führung und geht allmählich in die Gestalt einer der schönsten unter den Mageloue-Romanzen über: in die der „Suleima." Diese Anhänglichkeit an Lieblingsgestalten, die in früheren Tagen seine Phantasie erfüllt haben, ist ein eigentümlicher und traulich sinnender Zug an Brcchms. Leider können ihn aber uur die Keuner seiner Werke ganz genießen. Der zweite Satz der Cellosonate klingt etwas Wienerisch an — das Opus ist ein Zeitgenosse der vierhändigen Walzer. Das Finale stürmt in voller Kraft dahin — von den gebvtncn Plätzchen zum Ruhen und Sinnen macht es nur spärlich und kurz Gebrauch. Seine Form ist die überaus kunstvolle einer Fuge mit drei Themen. Eine originelle Nücmce, die cmch in der Finalfnge des Streichquintetts wiederkehrt, ist die, daß die neu eintretenden Stimmen vom vollen Chor der andern mit einem knrzen kräftigen Zuruf begrüßt werden.
Das zweite der Duos ist die Souate für Violine und Klavier (Oclur ox. 78). Die außerordentliche, kunstvolle Tondichtnng hat den Grundzug einer ernst