Beitrag 
Musikalische Genüsse.
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

Krieg ums Theater,

ist, sucht er nur noch in Orchestervirtnosität zu brilliren. Er giebt denn auch die denkbar virtuosesten Orchesterleistun gen; was man in dieser Beziehung bei ihm zu hören bekommt, ist wirklich staunenswert. Aber die Kehrseite erscheint umso kläglicher. Wieviel Lärmen um nichts! Das Konzert fand weit draußen vor der Stadt in einem überfüllten Saale statt. Es wurde zwar während der Aufführung nicht gegessen, aber umsomehr getrunken, was bei einer Saharci-- temperatur auch gewiß zu entschuldigen war. Als ich in den Saal trat, wurden gerade die letzten Akkorde derAkademischen Festouvertüre" von I. Brahms ge­spielt. Dann folgten wieder Liszt und Wagner je zweimal, C. M. v. Weber in seiner von Bcrlioz arrangirtcnAufforderung zum Tanze" und dieser selbst mit seiner OuvertüreDer Karneval in Rom." I. Strauß war leider nur mit eiuem Walzer vertreten. Das zweite Violinkonzert von H. Wieniciwsli, ein gänzlich nichtssagendes Tvnstück, wurde von H. I. Smit, dem Konzertmeister der Kapelle zwar etwas müde und blasirt, aber im ganzen gut vorgetragen. Nach demRömischen Karneval" verzog ich mich. Für die Reize des Coruet ü, Piston habe ich keine Empfänglichkeit, und auch die Neuerung Bilses, in seinen Konzerten dem armseligen Gezupf einer Zither Raum zu geben, vermochte mich nicht zu kirren. Ich warte, bis er einmal mit einem Dudelsackvirtuoseu reisen wird, was ja nicht mehr lange dauern kann; den will ich mir dann anhören.

tz^BLS?

Krieg ums Theater.

er Brand des Wiener Ringtheaters hat weit nnd breit den Anstoß zur Einführung von Sicherheitsvorlehrnngen , und zu größerer Strenge der Kontrole in den Schauspielhäusern gegeben. Schon deshalb verdient der Krieg, welcher gegenwärtig in Wien geführt wird, auch außerhalb beachtet zu werden. Es liegt in der Art des Wieners, vielleicht eines jeden Publikums, die Maßregel» und Verordnungen, welche doch einzig und allein in seinem Interesse getroffen worden sind, nach dem Schwinden des ersten Schrecks als unnötige Belästigungen und als Be­einträchtigung armer Geschäftsleute, der Theatcrnutcrnehmer, zu kritisiren und zu Gunsten der letztern darauf zu rechnen, daß die Behörden bald wieder fünf gerade sein lassen werden. Der Statthalter von Niederösterreich, Baron Possinger, erweist sich aber auch in diesem Falle als ein Mann von Energie und als un­beugsamer Hüter des Gesetzes. Darüber herrscht in den Kreisen sentimentaler Theaterfreunde große Verstimmung, größere bei den Spekulanten, welche indessen