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Kardinal-Erzbischof Albrecht von Brandenburg als Kunstfreund.
einzige cm Florenz heran. Während dort umfangreiche Bauten, herrliche Denkmäler, großartige Wandmalereien den Künstlern immer von neuem Beschäftigung zuführten, konnte Dürer vier Jahre vor seinem Tode an den Rat von Nürnberg schreiben: „Ich habe auch, wie ich in Wahrheit schreiben kann, die dreißig Jahre, die ich zu Hause gesessen bin, in dieser Stadt nicht für fünfhundert Gulden Arbeit bekommen." Auch von den reichen deutschen Patriziern läßt sich kein einziger, selbst Jakob Fugger nicht, mit Agostino Chigi vergleichen. Wenn sie Altartafcln zum Heile ihrer Seelen, wenn sie Porträts zur Aufrechterhaltung ihrer Familientraditionen stifteten, so glaubten sie genug für die Kunst gethan zu haben. Und ähnlich war es mit den deutschen Fürsten. Während uns in Italien eine ganze Reihe von Fürsten entgegentritt, deren Kunstlicbe sprichwörtlich geworden ist, ist die Zahl derjenigen, welche in Deutschland die Künste nachhaltig unterstützten, eine sehr geringe. In welcher Weise Maximilian I. die Kunst förderte, ist unlängst in diesen Blättern*) ausführlich behandelt worden. Heute wollen wir dem damaligen weltlichen Oberhaupte Deutschlands das geistliche anschließen: dem deutschen Kaiser den Fürstprimas Kardinal-Erzbischof Albrecht von Brandenburg.
Albrecht von Brandenburg nimmt unter den Fürsten des Reformationszeitalters eine der ersten Stellen ein. Als der zweite Sohn des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg am 28. Juni 1490 geboren, wächst er neben seinem ältern Bruder Joachim heran und wird, kaum achtzehn Jahre alt, zum geistlichen Stande bestimmt. Auf der vom Kurfürsten Joachim I. nach dem Muster von Paris und Prag zu Frankfurt a. O. gegründeten Universität vollendet er seine Studien und lernt hier den geistvollen Ulrich von Hütten kennen. An die Spitze eines reichen Stiftes zu treten, ist früh sein Streben. Und so finden wir ihn 1509 als Domherrn im Mainzer und Magdeburger Erzstift vrcibendirt, schon damals mit der Hoffnung, dereinst selbst eines dieser Bistümer zu erhalten. Und seine Hoffnung verwirklicht sich bald in der glänzendsten Weise. Als im Jahre 1513 Erzbischof Ernst von Magdeburg stirbt, wird der junge brandenburgische Prinz seiner hohen Geistesvorzüge wegen einstimmig zum Erzbischof von Magdeburg und zum Administrator des damit verbundenen Bistums Halberstadt erwählt. Aber kaum ist die Nachricht von der Bestätigung Albrechts aus Rom in Berlin eingetroffen, als über seinem Hanpte schon ein neuer Stern sich zeigte, welcher ihm und dem erlauchten Hause der Hohenzollern noch mehr Glanz und Größe verkündet. Auch der Erzbischof von Mainz war im Februar 1514 gestorben. Alle Blicke richten sich auf den jungen, kaum viernndzwanzigjährigen Albrecht, der soeben die Gunst des Papstes erfahren hat und von dem man glaubt, daß er auch imstaude sein wcrde, die Kosten des
*) Vergleiche meinen Aussatz „Kaiser Maximilian I. als Kunstfreund," Grenzboten IL84, Heft 2.