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Ein Bild aus der deutschen Kleinstaaterei.
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Gin Bild aus der deutschen Kleinstaaterei.

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ie sehr innerhalb des letzten halben Menschenalters alles in Deutschland sich geändert hat, können wir unter cmderm auch an dem Maße des Interesses erkennen, mit welchem wir jetzt auf Vorgange in den kleinen deutschen Ländern Hinblicken. Früher waren Nachrichten, die aus Dresden vder Darmstadt kamen, für ganz Deutschland von Wichtigkeit. Der kurhessischc Verfassuugskouflikt, der badische Kircheustreit nahm alle Welt in Anspruch. Wer kümmert sich heute außerhalb der Laudesgrenzcu noch um die Dinge, die in den kleineren deutschen Ländern vorgehen! Nur das, was in Berlin und vielleicht noch in München geschieht, hat für das Allgemeine noch Interesse. Wenn wir nun hier ein Verhältnis darstellen, welches in einem der kleinsten deutschen Länder spielt, so geschieht es nicht, um für die Sache selbst in weitern Kreisen besondre Teil­nahme zu erwecken. Vielmehr wollen wir nnr ein Kulturbild zeichnen, welches geeignet ist, uns frühere deutsche Zustände lebhaft vor Augen zu führen.

Eines der ärmsten deutschen Länder ist das Fürstentum Waldcck mit seinen etwa 50000 Einwohnern. Es ist in der That eine zwischen Hessen und West­falen licgeu gebliebeneWaldeckc," reich an Berg und Wald, aber arm an Bodenschätzen, ohne schiffbaren Fluß, ohne größere Stadt, ohne entwickelte In­dustrie, ohne Eisenbahn, weil diese in dem gebirgigen Boden nicht leicht Eingang fand. So ist das Ländcheu gleichsam hinter der ganzen modernen Knltur zurück­geblieben, während doch Deutschland ihm hervorragend begabte Männer, wie Kaulbach und Rauch, verdankt. Nur in einer Beziehung stand Waldeck den übrigen deutschen Ländern nicht nach: es hatte auch seine Verfassungskämpfc, deren Hauptgcgenstcmd das Douinniaivcrmögen war. Völlig veraltete ständische

Än'iizbott'n II. 1884. Kti