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Das Luther-Festspiel in Jena.
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Das Luther-Festspiel in Jena.

n diesen Tagen findet eine Wiederholung des Devrientschen Luther- Festspieles in Jena statt, welches zuerst im November vorigen Jahres von einer großen Zahl von Bürgern, Dozenten und Studenten Jenas aufgeführt wurde. Wir kommen also mit einem Berichte über jene Novembertage jetzt gerade zu rechter Zeit.*) Die Idee, den Reformator Luther zur Festfeier in lebender Nachbildung darzustellen, hat ihr bedenkliches. Die Vorführung der Person Luthers auf den Festzügen zu Erfurt und Eisleben darf als gänzlich mißglückt gelten. Die Nachbildung tritt uns viel zu leibhaftig entgegen und viel zu nahe, um nicht bei der handgreiflichen Unähnlichkeit Mißvergnügen zu erregen. In günstigerer Lage ist die Bühne, welche über künstliches Licht, Szenerie und den ganzen Theaterapparat verfügt. Aber auch hier bleibt des Mißlichen genug übrig. Jeder hat in sich ein Bild Luthers, und jeder hat ein andres. Jeder verlangt, daß dem geistigen Porträt auch das äußere Bild entspreche, und jeder liebt bei der vielseitigen Person Luthers eine andre Seite. Es gehört, was Drama und Aufführung betrifft, eine Meisterleistung dazu, um auf einen Erfolg rechnen zu können.

Die Jenenscr Aufführung kann sich eines großen Erfolges rühmen, sie ist auch in der That nach Stoff und Darstellung eine ganz eigenartige Mcister- leistung. Daß Otto Devricnt, der bekannte Charakterspieler, welcher auch durch seine originelle Jnszcnirung des „Faust" Aufsehen erregt hat, das Drama in noch nicht vier Monaten vollendet hat, soll nur nebenbei erwähnt werden. Denn es gereicht einem Kunstwerke nicht zur Entschuldigung, wenn es weniger gut aus­gefallen ist, weil man damit geeilt hat. Aber das muß rühmend hervorgehoben werden, daß das Schauspiel, keineswegs ein Drama im fachmännischen Sinne, den köstlichen historischen Stoff gut verwertet und künstlerisch gestaltet hat. Hierzu kommt eine ausgezeichnete Juszenirung, welche auch der Schwierigkeit einer räumlich ungenügenden Bühne in einer Weise Herr wird, daß man dieselbe sehr wenig empfindet. Nicht minder bewunderswert aber ist, was er aus seinem kleinen Heer von Dilettanten gemacht hat. Es sind Dilettanten geblieben; gerade bei denen unter ihnen, welche sich bemühen, ein „durchdachtes" Spiel zu spielen, merkt man es am meisten, bei andern, welche sich geben, wie sie sind, am

Das Festspicl ist übrigens inzwischen auch im Drucke erschienen (Luther. Historisches Charakterbild von Otto Devricnt. Leipzig, Breiltops und Härtel, ZS84) und liegt bereits in zweiter Auflage vor.