Laubes Grillparzer-Bioaraxhie.
oethe ist mir auch in der Folge nicht gerecht geworden, insofern ich mich nämlich denn doch, trotz allem Abstände, für den besten halte, der nach ihm und Schiller gekommen ist — mit diesen Worten schließt Grillparzer den Bericht über seinen Besuch bei Goethe in Weimar, der zu den interessantesten Partien seiner Selbstbiographie gehört. (Werke, Bd. 10, S. 176.)
Dieser von einem sichern Gefühl des eignen Wertes zeugenden „Selbst- cinschätzung" des Dichters widersprach lange Zeit hindurch, namentlich außerhalb Österreichs, das allgemeine Urteil, und erst in unsern Tagen, seitdem dnrch die Gesamtausgabe von Grillparzers Werken die Bekanntschaft mit ihm größer geworden ist, fängt man an, wenn auch mit gehöriger Betonung der von ihm selbst gemachten Einschränkung, die hohe Meinung des Dichters von seiner Bedeutung gelten zu lassen.
Am leichtesten sällt diese Zustimmung bei Grillparzers Novelle „Der arme Spielmann," die sich wohl ohne Bedenken dem besten an die Seite stellen läßt, was ans diesem Gebiete aus Goethes Feder hervorgegangen ist. Obwohl leider noch wenig bekannt, ist dieser Schöpfung Grillparzers doch allenthalben von den berufenen Beurteilern, z. B. von Paul Heyse, die verdiente Würdigung zuteil geworden.
Aber auch bei einem andern Werke Grillparzers liegt eine Vergleichung mit Goethe nahe: wir meinen seine Selbstbiographie. In Goethes „Wahrheit und Dichtung" besitzen wir, ganz abgesehen von dem künstlerischen Werte des Buches, die unübertroffene Darstellung seines Lebens und Wirkens. Trotzdem ist durch diese Autobiographie, wie jeder Kundige weiß, der Versuch, mit allen Mitteln der historischen Kunst den Entwicklungsgang und die Schicksale des Dichterfürsten zu zeichnen, keine müßige Aufgabe geworden. Obwohl vielleicht die wahrste Schilderung eines Menschenlebens, ist Goethes „Wahrheit und Dichtung" doch nicht frei von Irrtümern, vor allem aber viel mehr das Werk eines Künstlers, als das eines Historikers. Dazu kommt noch der Umstand, daß Goethe die Erzählung bekanntlich nur bis zu seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahre, bis zu seinem Eintritt in Weimar, geführt hat, sodaß schon dadurch die Notwendigkeit sich erglebt, das von ihm unvollendet Gelassene zu Ende zu führen.
Ähnlich liegen, schon rein äußerlich betrachtet, die Dinge bei Grillparzer. Zur größten Überraschung selbst seiner Freunde hat Grillparzer eine eigne Auszeichnung über sein Leben hinterlassen. Zwar wies er, zu einer solchen