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Zu Goethes Kunstgedichten.
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Zu Goethes Kunstgedichten.

von Jakob Minor.

GoethesMoralisch-politischem Puppenspicl" war 1774 zugleich ""t andern FarcenKiinstlers Erdcwallen," einDrama in zwei Akten" erschienen. Das WortDrama" ist in dem Sinne zu verstehen, in welchem Goethe die dinlv^isirten Farcen seiner ober- rheinischen Geniezeit alle so benennt. Mit wenigen kurzen, derben Strichen wird hier ein Bild des Künstlerlebens nnd des Künstlerelends entworfen. Am Schlüsse erscheint die Muse und weist ihren Sohn tröstend auf die hohe Befriedigung hin, welche er, aller Erdennot ungeachtet, im Genusse seiner Schöpfungen finde. Im übrigen hat sie ihm freilich nur ein bescheidenes irdisches Glück zu bieten, das sie ungefähr mit den Worten Gretchens bezeichnet:Doch schmeckt dafür das Essen, schmeckt die Ruh!" wozu noch das Bewußtsein innerer Tüchtigkeit kommt, mit welchem Valentin stirbt:Und bist nicht reich, so bist du brav!" Das Ganze in Knittelversen und im Tone desFaust."

Eine Fortsetzung dieser Dichtung, sozusagen ein zweiter Teil, war schon damals in Goethes Freundeskreise bekannt. Neuerdings hat Lveper in den Briefen Goethes an Sophie La Noche und Bettina Brentano (Berlin, W. Hertz, 1879) einen Dialog mitgeteilt, in welchem uns ein Bruchstück dieses zweiten Teiles erhalten ist. Er istDes Künstlers Vergötterung. Drama" überschrieben und einen Tag nach demErdewallen" auf der mit Lavater und Basedow unternommenen Nhcinreise zu Papier gebracht. Ein Kunstjünger steht von der Größe des Vorbildes, welches er nachzubilden unternommen hat, niedergeschlagen vor dem Bilde und wirft den Pinsel weg. Er fühlt sich außer stände, diese Fülle, dieses unendliche Leben mit dürstigen Strichen wiederzugeben. Der Meister preist ihn wegen dieses Gefühles glücklich. Damit, daß er empfinden könne, wie sein Vorbild größer sei als er, habe er auch schon gezeigt, daß er es erreichen, selber Meister werden könne. Die Macht des Vorbildes, die Hingebung an dasselbe ist alles. So verehrten die Stürmer und Dränger in Shakespeare das Ideal der Kunst; und wie der Meister dem Kunstjünger, so ruft auch Goethe in der Shakespeare-Rede seinen in Verehrung des britischen Dichters erglühenden Genossen zu:Von Verdiensten, die wir zu schätzen wissen, haben wir den Keim in uns." So legt der Komponist Kayser, der Goethes Dichtung kannte, vor Gluck feierlich seinen Pinsel nieder. Ein von Empfindung volles Herz macht den Künstler, wie es nach Franzens Worten imGötz" den Dichter macht. Das ist nicht bloß das Glaubensbekenntnis des Jüngers, sondern auch das des Dichters.