Notiz.
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Ei, ei! unterbrach sie ihr Gatte lachend. Du bist ja ordentlich von ihr bezaubert, meine liebe Adele, und kannst dir in dem Enthusiasmus eines Affekts, welcher einer wirklichen Liebe gleicht, garnichts vollkommeneres denken als sie.
Habe ich vielleicht Unrecht?
Das glaube ich nicht. Aber wir Männer — in einem gewissen Alter — haben diese instinktmäßigcn Hingebungen, diese plötzlichen Affekte nicht mehr, die ihr Frauen mit eurer überaus gefühlvollen Seele euch als ein lebenslängliches Privilegium bewahrt; wir wollen erst untersuchen und daran lernen, und um die Wahrheit zu sagen, ich habe in der That den ganzen Inbegriff dieses sonderbaren Geschöpfes noch nicht erfassen können.
(Fortsetzung folgt.)
A^WS?
Notiz.
Hirzels Goethe-Bibliothek. Aus voriger Woche ist ein literarisches Ereignis von großer Bedeutung zu melden: der Katalog von Salomon Hirzels Goethe-Bibliothek, der bisher nur als Manuskript gedruckt und zur Verteilung an die Freunde des Sammlers bestimmt war, ist von der Hirzelschen Verlagshcmdlnng in neuer Ausgabe hergestellt und in den Handel gebracht worden.*)
Hirzels Bedeutung als Goethesammler hat vor kurzem Anton Springer in beredten Worten geschildert in der „Vorrede" zu einem höchst liebenswürdigen Buche, welches er der Familie Hirzel lind ihren und seinen Freunden im verflossenen Jahre als Weihnachtsgabe dargebracht hat."'*) Wir brechen wohl kein Geheimnis, wenn wir die betreffende Stelle bei dieser Gelegenheit mitteilen.
„Die Ausdehnung und die Vertiefung — schreibt Springer —, welche die Goethestudien im Lanfe des letzten Menschennlters erfahren haben, gehen großenteils auf Hirzel, seine Anregungen nnd seine Arbeiten zurück; an den wichtigsten nnd inhaltreichsten Schriften über Goethe nahm er mittelbar oder unmittelbar hervorragendsten Anteil. In Knnstkreisen ist längst der Grundsatz eingebürgert, daß der Sammler den Kenner am besten vorbereite, die natürliche Borstufe zu diesem bilde. Auch au Hirzel hat sich diese Erfahrung bewährt. Als Goethesammler begann er, als einer der feinsten Goethekenner schloß er seine dem Dichter gewidmete Thätigkeit. Ihn unterstützte bei dieser glänzenden Wandlung die glückliche Doppelnatur seiner Persönlichkeit. Hirzel besaß alle Eigenschaften eines erfolgreichen Sammlers in reichstem Maße: den feinen Spürsinn, welchem auch die entlegensten Winkel nicht entgehen, die geduldige Beharrlichkeit, welche den entdeckten Schatz nicht mehr aus den Augen läßt, und die rasche Entschlossenheit, welche im richtigen Zeitpunkte die Hand an jenen legt. Oft vergingen zwischen Entdeckung
*) Salomon Hirzels Verzeichnis einer Goethe-Bibliothek, mit Nachträgen und Fortsetzungen herausgegeben von Ludwig Hirzel. Leipzig, S. Hirzel, 1884.
**) Der junge Hirzel. Als Manuskript für Freunde gedruckt. Leipzig, Druck von Breitkopf und Härtcl, 1883.