Literatur.
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er von allem kosten, an jeden Kelch, den ihm das Vergnügen reichte, die Lippen setzen; aber er empfand gar oft darüber Ekel und Bitterkeit und nicht selten Ärger und Scham, und so ließ er es niemals dahin kommen, daß die Trunkenheit ihm den Verstand benahm und das Gift dieser sündhaften Vergnügungen ihm den Geschmack an allem Schönen und Edeln verdarb, seine Fassungskraft verfinsterte, sein Herz austrocknete.
Und doch fand Adele ihren Bruder, als sie ihn bei der Taufe ihres Erstgebornen wiedersah, zu ihrer Betrübnis sehr verändert. Sie fragte ihn nach seinen Lebensplänen und Absichten. Ach! liebe Schwester, antwortete Paul mit bitterm Tone, ich will ja gern etwas werden, aber wenn du wüßtest, wie schwer das hält! Die Straßen sind alle so voll, und wer die Menge durchdringen will, der muß stärkere Schultern und Hüften haben als ich. Ein gewisser Dnrst nach Ruhm treibt mich, aber die Liebe zum Frieden hält mich zurück. Ich müßte dich immer bei mir haben, liebe Adele, dn solltest der Schutzengel meiner Seele sein. (Fortsetzung folgt.)
Literatur.
Revanche! Bilder aus Paris von Otto Rose. Berlin, Oppenheim, 1884.
Das Leben und Treiben in verschiednen Kreisen der Pariser Gesellschaft in und außerhalb Paris mit ihren Licht- und Schattenseiten zu schildern, war lein übler Gedanke, und ohne Zweifel ist dein Verfasser, der eine nicht gewöhnliche Begabung für Schilderungen des täglichen Lebens besitzt, die Lösung der Aufgabe, die er sich gestellt, glücklich gelungen. In sechs Abteilungen „Aus der Gesellschaft," „Ans der Koulissemvelt," „Bildende Künste," „Unter Lampions und Fahnen," „Paris im Freien," „Paris auf Reisen" führt er dem Leser teils neue, teils bekannte Züge des Pariser Gesellschaftslebens in höchst anmutiger Weise vor. Einzelne Kapitel wie „Republikanisches Highlife," „Sport und Volksvergnügen," „Im Konservatorium," „Die Gattenkarawane" sind kleine Kabinetstücke. Am Ende legt man das Buch ungern aus der Haud.
Aber was in aller Welt soll der Titel „Revanche!"? Der Verfasser versucht im Vorwort diesen Titel zu rechtfertigen: er weist auf das seit nunmehr dreizehn Jahren erschallende Nevanchegeschrei unsrer westlichen Nachbarn hin und meint, die beste Revanche dagegen sei die Anerkennung der Verdienste des Gegners. Wir haben die Vorrede uach der Lektüre des Buches nochmals gelesen, in der Meinung, unsre Augen könnten uns getäuscht haben, denn nicht auf einer einzigen Seite des Buches findet sich eine Bestätigung des in der Vorrede angedeuteten Zwecks. Der Titel „Revanche!" entpuppt sich also lediglich als Aushängeschild. Schade; die „Bilder aus Paris" würden auch ohne dieses Schaufensterzugmittclchen Liebhaber genng gefunden haben.
Dichtungen von vr. Martin Luther. Herausgegeben von Karl Goedete. Mit einem Lebensbilde Luthers von Julius Wagenmann. Leipzig, Brockhaus, 1883.
Der 18. Band der Brockhausschen Sammlung „Deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts," welcher hiermit geboten wird, knuu zugleich als eine der wertvolleren