Die niederländische Genre- und Landschaftsmcilerei. 653
Die ganze Sammlung der „Kleine» Schriften" verdient es in hohem Grade, gelesen zn werden. Überall eröffnen sich von dem gerade in Rede stehenden Thema Ausblicke ans größere Perioden, überall bekundet sich die reiche historische Bildung, das feine Form» und Stilgefühl, die lebendige Anregungskraft des Verfassers. Sie ruft das Bild desselben anschaulich für alle zurück, die ihn gekannt haben. Sie gemahnt noch lebcnviger als die größern und kunstvvllcru literarischen Werke an jene Persönlichkeit, welche dnrch die Kraft und Eigentümlichkeit ihres Wesens und ihrer Bildung eine so unmittelbare Wirkung auf cineu großen Lcbenskreis übte. Sie bestätigt, wenn man die Beziehungen der meisten dieser Reden, Aufsätze und Kritiken zu den Verhältnissen, in denen Hettner in Dresden beinahe ein Menscheualter hindurch lebte, ins Auge faßt, durchaus was Adolf Stern seiner kleinen Biographie Hettners (in Westermanns Monatsheften, Februar 1883) vorausschickte- „Es giebt leichter Ersatz für ein rein literarisches Talent, und wäre dasselbe auch von seltener Tiefe und Reichhaltigkeit, als für eine bedeutende Persönlichkeit, welche Lehr- und Thatkraft, Anreguugsfähigkeit und reiche Erfahrung, vielseitigste Bildung mit einer großen literarischen Begabung verbindet. In diesem Sinne mag man, ohne sich einer Übertreibnug schuldig zu machen, Wohl sagen, daß der Verlust Hermann Hettners für die Lebenskreise, in denen er gewirkt, schlechthin ein unersetzlicher sei. Seine literarischen Leistungen werden ihn überleben, seine energische Organisativnskraft, seine Lehrkraft, seine geistig geselligen Vorzüge sind mit ihm in die Gruft gesunken." Ein Abglanz alles dessen, was hier gerühmt ward, liegt allerdings ans den frischesten und lebendigsten der „Kleinen Schriften" und verbürgt ihnen bleibende Geltung und Nachwirkung.
Die niederländische Genre- und Landschaftsmalerei.
von Adolf Rosettberg. 3.
Pieter Aertsen, — Der Einfluß der italienischen Runst. — Joachim Bueckelaer. — pieter
Brueghel der Ältere.
ukas von Leydcn war nicht der einzige niederländische Künstler aus den nördlichen Provinzen, welcher durch den aufblühenden Wohlstand Antwerpens nach der glänzenden, prachtliebenden und volkreichen Scheldestadt gezogen wurde. Pieter Aertsen aus Amsterdam (1508 — 1573), der „lange Peer" (lange Peter) genannt, war
länger als ein Menschenalter hindurch in Antwerpen thätig und hat einen Ein-