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Literatur.
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Literatur.

den Geist des Dichters systematisch tottritt, auf deren breitem Felde unter dem Texte der fadeste Quartanerkohl gebaut wird! Armer Lessing!

Oder haben wir es wirklich nur mit einem Schülerversuch zu thun? Hatte der Papa, unter dessen Namen die Anmerkungen gehen, keine Zeit und ließ die Arbeit von seinem Söhnchen besorgen? Möchte er doch dann künftighin dem armen Kinde weniger schwere Aufgaben stellen, als es Lcssing-Jnterpretatiunen sind. Lessing ist doch wohl mich zn gut, als daß ein Kinderverstand mit seiner Erklärung betraut werde.

Literatur.

Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn von Fr, Liszt, In das Deutsche über­tragen von L, Nnmcinu, Leipzig, Brcitkopf und Härtet, 1883, 396 S,

Franz Liszt war seinerzeit der erste Klaviervirtnose der Welt, Er hat das Klnvierspiel zu einer bis dahin ungeahnten Bedeutung erhoben. Hierdurch hat er sich einen dauernden Platz in der Kunstgeschichte erworben. Er hat dann der Richtung von Richard Wagner sich angeschlossen, für diesen eine Schnle zu bilden gesucht und in dessen Sinne Kompositionen, „symphonische Dichtungen," Ora­torien ?c, geschaffen. Sein Verdienst ans diesem Gebiete ist minder unzweifel­hafter Nntnr. Wir erinnern uns noch einer Äußerung von Moritz Hauptmaun, welcher, als einstmals die von Liszt für die Stadt Gran komponirte Messe in Leipzig aufgeführt worden war, von dort einem Freunde schrieb: Die Graner Messe scheine ihm noch schlechter ausgefallen zu sein als die letzte Leipziger. Endlich hat Liszt auch zum Schriftstellertum sich gewendet, uud das vorliegende Werk bildet bereits den sechsten Band der von der Verlagsbuchhandlung reich ausgestatteten „Gesammelten Schriften" Liszts, Ein Interesse für das Buch knüpft sich natur­gemäß schon an den Namen des Verfassers. Das Buch schildert das Leben uud Treiben eines interessanten Volksstammes, welcher vorzugsweise in Liszts Heimats- lande seine Stätte gefuudeu hat. Es wird auch eine Vergleichung desselben ge­zogen mit einem andern bei nns eingewandert»! Volksstamme, den Judeu. Von der Musik der Zigeuucr, über welche mau gerade von Liszt interessante Aufschlüsse erwartet, ist erst im letzten Drittel des Buches die Rede. Dabei ist uns wieder lebhaft in den Sinn gekommen, wie wcuig das Wort dazu geeignet ist, das innere Wesen der Musik zu schildern. Hätte der Verfasser seinen Darlegungen nur einige wringe auf Noten gesetzte zigeunerische Musikstücke zn Grunde gelegt, so würde er dadurch, mindestens für Mnsikverständige, ein weit klareres Bild von den Eigen­tümlichkeiten der Zigeunermusik erweckt haben, als mit all seinen Worten. Aber vielleicht ist es dem Verfasser garnicht um die Musikverständigen zn thun gewesen, sondern mehr um solche Leute, die ein liebenswürdiges Geplander an sich vorüber­gehen lassen wollen. Von diesem Standpunkte aus hat das Buch gewiß sein Ziel erreicht.

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunvw in Leipzig, Verlag von F, L, Herbig in Leipzig, — Druck von Carl Marquart iu Reudnitz-Leipzig.