Literatur.
271
erblicken, und so lange ist auch jene Scheidung mindestens kein Bedürfnis. Bisher hat sich in der deutscheu Partei noch immer der Entschluß, in der bisherigen Weise u»d zn denselben Zwecken verbunden zu bleiben, starker erwieseu als die Versuche, sie auf ein striktes Politisches Programm zu verpflichten und einzuengen. Und waS die Reichstagswahlen betrifft, so müßte es sehr sonderbar zugehen, wenn wir nicht auch künftig ganz dieselbe Parteistellnng hätten wie bisher, nämlich ans der einen Seite die deutsche Partei uud die Konservativen, auf der andern die Volkspartei und die Ultramontanen.
MM
Literatur.
Taschenbuch für die Krankenpflege iu der Familie, im Hospital im Gemeinde- u»d Armendienst, svwie im Kriege. Herausgegeben von Geh. Mcd.-Nctt Dr. L. Pfeiffer.
Weimar, Böhlau, 1888.
Es ist unter Fachleuten bekannt, wie vortreflich es der Herausgeber dieses ^»schenbnches versteht, die allgemein giltigen und notwendigen Gesundheitsregeln ^uht verständlich dem niederen ärztlichen Personal darzustellen. Mit dem ^aschenbuche wendet er sich au Ärzte, Heildiener, Krankenpflegerinnen, Diakonissinnen u. f. w. Im Verein mit einer Anzahl tüchtiger Aerzte, welche nicht mir ihre Namen für das Titelblatt hergegeben, sondern fleißig mitgearbeitet Mben, hat er hier ein Lehrbuch der Krankenpflege geschaffen, von kompendiöser uvrm und doch von so reichem und gediegenem Inhalte, daß Referent mit Vergnügen und Nutzen bald dieses, bald jenes Kapitel studirt hat.
Besonders erwähnen wollen wir, daß Pfeiffer mit Recht die Kosten dieser "der jener Behandlungsmethode, dieses oder jenes Kindernahruugsmittels betont, "m der Pflegerin es zu ermöglichen, bei armen Leuten das billigste und relativ deste zu treffen. Von großen Interesse sind unter anderm die Angaben über die Kosten, welche ein junger Weltbürger durch seine Anknnft dem Hause macht, und
si,,d diese Kosten berechnet für die ersten zwanzig Wochen bei verschiednem ^ohlhabenheitsgrad und verschiedner Ernährungsweise. Wir erfahren aus diesen der Wirklichkeit entnommenen Aufzeichnungen, wie einer wohlsituirtcu Familie mit ..7^6 WO Mark Einkommen das Kindchen bei Ernährung durch Muttermilch ^9.20 Mark, also für den Tag 2.85 Mark kostete, während bei Knhmilcher- "»hrung die Ausgaben auf 3,48 Mark, bei Gebrauch des Nestlc'schen Mehles °uf 3,68 Mark nnd bei Ammencrnährung auf 4,50 Mark stiegen. In der Familie eines Kaufmanns mit 2000 Mark Einkommen (Nestle's Mehl) wurden ^4.30 also 0,96 Mark für den Tag ausgegeben, während ein Schuh
macher mit 1000 Mark Einkommen, dessen Fran das Kind selbst nähren konnte, "ur 15 Mark für sein Kind anlegte, also 0,11 für den Tag, und schließlich ist ^ue Proletariarfamilie in der Tabelle erwähnt, die keine Anschaffungen von Nlnderwcische machte und in zwanzig Wochen nichts ausgab als zwanzig Pfennige sur Seife, damit die Windeln gewaschen wurden, und 1 Mark der Hebamme, Maß auf den Tag 0,01 Mark Ausgaben kamen.