586
Notizen,
einander zu handeln. Das Vermögen, welches ich besitze, rührt von unserm Vater her, und ich trete es dir ab. Es gehört dir nach höherm Rechte, nnd du darfst es nicht als ein Geschenk von mir betrachten und dich nicht dadurch gedemütigt fühlen, daß dn es annimmst. Es wird dich in den Stand setzen, in deiner Laufbahn zu bleibe» oder eine andre zu beginnen, wie du willst. Aber ich glaube, daß deine Absicht, den diplomatischen Dienst zu verlassen, wohl mir aus einer augeublicklicheu Niedergeschlagenheit stammt, und was deine Absicht, von der Literatur zu leben, angeht, so möchte ich dir einen Satz wiederholen, den der General Frcmcken einst gegen mich anssprach, daß nämlich die Kunst eine vornehme Dame sei, die sich nngern mit dem Nutzen vermähle.
Und mich sollst du als Schwester betrachten, sagte Dorothea, als Dietrich tief errötend nur den Kopf schüttelte. Du darfst dich durch falsche Scham nicht davon abhalten lassen, nnsre Hilfe anzunehmen, oder du würdest dem geschwisterlichen Bunde untreu werden. Ein außergewöhnliches Unglück hat dich betroffen, nnd du darfst nicht an niedrigen Bedenken haften, wo es sich nm deine ganze Zukuust handelt. Das bunte Spiel des Lebens hat dir den Reichtum genommen, und uns will es ihn in den Schoß schütten, aber da wir uns so nahestehen, wollen wir uns doch wohl untereinander helfen.
Nein, Ihr Lieben, rief Dietrich, indem er aufsprang nnd ihnen die Hände drückte, ich will mich nicht durch das Übermaß Eurer Güte beugen lassen. Bedenkt Ihr nicht, daß meine Demütigung umso tiefer ist, je mehr Ihr Euch durch Großherzigkeit erhebt? Ich freue mich unsrer Einigkeit, und ich danke Euch für Euer Verzeihen nnd für Eure Liebe, aber jetzt will ich Euch verlassen, und ich kann nichts inehr von Eueru Anerbietuugen hören. Die traurigste Pflicht liegt mir schwer auf der Seele, und jede Minute, die ich auf etwas andres verwende, ist mir ein Vvrwurf. (Fortsetzung folgt.)
Notizen.
Ein Akt der Selbsthilfe. Seit Jahrzehnten haben in deutschen Städten zahlreiche Konsumvereine, svweit sie auf gesunder Grundlage geschaffen und geleitet sind, ihren Mitgliedern, mögen diese nun aus allen Ständen der Bevölkerung hervorgehen oder sich auf bestimmte Berufsklassen beschränken, große wirtschaftliche Erleichterungen gewährt, welche bei der zunehmenden Tenernng, bei der Vermehrung uud Steigerung aller Bedürfnisse und bei den Ansprüchen au das gesellige Leben für den Haushalt des einzelneu Staatsbürgers fast znr Notwendigkeit geworden waren. Unter diesen Verhältnissen erscheint es geradezu unverständlich, daß die große uud so fest gegliederte Korporation des deutschen Offizierkorps, welches stets unter der Unzulänglichkeit seiner pekuniären Lage gelitten hat, bisher noch nicht den Versuch unternommen hat, das „Einigkeit macht stark" praktisch auf das Gebiet des wirtschaftlichen Lebens zu übertragen, zumal da schon der Preußische Beamtenverein, welcher seit 1875 die Rechte einer juristischen Person genießt, die Förderung der materiellen Interessen seiner Mitglieder, wenn auch auf anderin Gebiete, erstrebt.
Wie die Engländer auf wirtschaftlichem Gebiete in vielen Stücken uns voraus sind, so hat ihr praktischer Sinn auch bereits seit zwölf Jahren dort von großein Erfolge begleitete Offizicrkonsumvereine geschaffen.