Die Grafen von Altenschwerdt.
Roman von August Nieina nn (Gotha). (Forlsetzung.)
enn Baron Sextus auch von einer wohlthuenden Beruhigung bei dem Gedanken erfüllt ward, daß der Man», den Dorothea liebte und den er selbst hochschätzte, zugleich derjenige war, welcher der Bestimmung seines Großvaters gemäß Erbe der Herrschaft Eichhausen werden konnte, so erfüllte ihn doch eine große Besorgnis hinsichtlich Dietrichs, welchem er die Hand gereicht hatte, um ihn zu seinem Schwiegersohn zu machen. Er sagte sich freilich, daß ihm Eber- hardt als Schwiegersohn viel lieber sein würde. Eberhardt besaß die persönlichen Eigenschaften,"welche er achtete und welche er an Dietrich vermißt hatte, nämlich die stolze Männlichkeit, den ritterlichen Geist, welche er als die besten Eigenschaften eines Edelmannes ansah. Daß Eberhardt sein Geheimnis zu bewahren gewußt hatte, daß er seinem Gelübde treu geblieben war, obgleich ihn der höchste Preis zur Untreue verlockt hatte, das erfüllte den Baron mit unbegrenzter Hochachtung. Dennoch fürchtete dieser von dem Bewußtsein der Ehre durchdrungene alte Herr, er könne sich durch seine persönliche Vorliebe verleiten lassen, ungerecht gegen Dietrich zu sein, und er scheute sich vor dem Gedanken, das Wort zurückzunehmen, welches er Dietrich gegeben hatte. Wohl hatte er völlige Gewißheit darüber, daß Dorothea den ihr äufgezwungenen Bräutigam nicht liebe, aber er konnte es sich nicht anders vorstellen, als daß Dietrich seinerseits doch seine Braut liebe, und er sagte sich, daß er selbst die Veranlassung dazu gewesen sei, daß Dietrich auf die glänzende Aussicht rechne, welche die Hand der Freiin von Sextus als Erbin von Eichhausen eröffnete. Durfte er mit seinem Worte einen Handel treiben, indem er nun unter veränderten Umständen sein Versprechen brach und einen neuen Schwiegersohn wählte? Durfte er den jnngen Mann, der vom Schicksal schon so schwer getroffen ward, auch noch seinerseits kränken und vollends /zu Boden werfen?
Diese Erwägungen ließen es ihn sehr dankbar aufnehmen, als der Graf von Fraucken sich freiwillig bereit erklärte, Dietrich die traurige Mitteilung vom Schicksal seiner Mutter zu machen und mit ihm die fernern Schritte zu überlegen. Die Gegenwart und der Rat dieses alten Freundes waren ihm in der Grenzbvtcn III. 1883, 7^!