Beitrag 
Die Austellung in Amsterdam und das Projekt einer Weltausstellung in Berlin. 2.
Seite
513
Einzelbild herunterladen
 

Fritz Routers Hausbuch.

513

ausstellung verbinden könnte, die moralische Unterstützung und die materiell fördernde Teilnahme der Reichsregierung, selbst wenn der Beweis für die Not­wendigkeit und Nützlichkeit eines solchen Unternehmens nicht erbracht werden kann.

Fritz Reuters Hausbuch.

von Aarl Theodor Gaedertz.

ir sitzen so tranlich beisammen,Luising" oderWisiug," die vom deutschen Volke verehrte Witwe des allbeliebten Dialektdichters, und meine Wenigkeit, abends beim Ampellicht im trauten Garten- stübchen der Villa Reuter zu Eiseuach. Die breiten Glasthüren zum Garten sind geöffnet. Wie prächtig liegt er da, dieser von Fritzing" selbst künstlerisch angelegte und musterhaft gepflegte Blumenpark mit seinen Terrassen, Grotten, Vasen, seinen Teppichbeeten, seinen Eichen und Buchen, die den steilen Felsen beschatten und verdecken! Wie berauschend strömt der Duft von Rosen, Levkojen, Lilien und Nelken zn uns hinüber! Lustig plätschert der Springbrunnen. Die Mondsichel steht gerade über der alten Luther-Wartburg, die in silberner Beleuchtung sich vom Sternenhimmel hoheitsvoll vor unsern Augen abhebt. Den ganzen Tag Regen nun eine italienische Nacht.

Manches Wort haben wir miteinander gewechselt. Wie Fritz Reuter nicht allein ein tiefes Gemüt, sondern auch eineu goldnen Humor zu schönster Be­thätigung gebracht hat, ebenso weiß seine treue Gattin der Unterhaltung bald eine ernste Richtung zu geben, bald eine heitere.

Nicht als ob plötzlich der Faden des Gespräches abgerissen sei, nein, mechanisch oder gewohnheitsgemäß greift meine Hand nach den Zeitungen, welche der Gärtner auf den Seitentisch gelegt hat. Unwillkürlich fällt mein Blick auf einen Artikel. Ich finde ihn in einem Blatte, in einem zweiten, und sogar die redaktionelle Notiz an alle deutschen Blätter um Weiterverbreituug. Ich stutze.

Was haben Sie, liebster Doktor? fragt bestürzt Luising. O mein Gott, wird wieder Schreckliches gemeldet von Jschia oder ?

Nein, etwas andres, das Sie betrifft, über Ihre Villa, deren beabsich­tigten Verkauf und über Reuters wie ein Heiligtum behütetes Album. Hören Sie! Und jetzt: was sagen Sie dazu?

Daß ich erstaunt bin, wie all diese Einzelheiten und namentlich etwas aus dem Hausbuche in die Öffentlichkeit gedrungen, ohne mein Wissen, ohne meinen Willen. Mir thuts weh, daß letzercs noch obendrein in unrichtiger Wiedergabe

Grenzboten III. 1»83. 68