Beitrag 
Gemischte Ehen.
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

Jllustrirte Prachtwerke des ^5. und Jahrhunderts.'

131

mentirt. Ob man ihm dafür Dank wissen wird? Rom fordert wohl und pocht auf; aber es bewilligt und konzedirt nichts. Lernt Rom kennen! Deshalb weisen wir nachdrücklich auf das Gebiet der Mischehen hin, mit dem alten Mahn­worte: ViäöAvt LousulsL, n<z guick ckstriniönti o^xlat resvublivg,.

^ÄSZHOtz?

^llustrirte prachtwerke des ^5. und ^6. Jahrhunderts.

von Richard Muther.

MLch

M

nsre Zeit ist die Zeit des Prachtwerkskultus. Alle bewohnbaren und nicht bewohnbaren Länder der Erde sind zu Prachtwerkeu verarbeitet; Shakespeare, Schiller und Goethe sind von „ersten deutschen Künstlern" illustrirt; unzählige mit Bildern durchspickte Zeitschriften finden Anklang und Absatz. Nur einmal noch — im 15. und 16. Jahrhundert — hat das Jllustrativnswesen eine ähnliche Rolle ge­spielt wie heute, aber gerade jene Periode war von der unsrigen durchaus verschieden. Während jetzt das illustrirte Buch nur ein Schaustück ist, das in müßigen Stunden flüchtig betrachtet wird, hatten damals die Bilder den Zweck, von dem nngelchrten, aber vom tiefsten Bildungsgänge beseelten Volke gleichsam gelesen zu werden. Während sich jetzt jeder für einen „ersten" deutschen Künstler erklärt, der sich an einein lyrischen Gedichte unsers Altmeisters mit einer schlechten Zeichnung versuchte, wareu damals in der That die bedeutendsten Meister unsers Vaterlandes im Verein mit unternehmenden Buchdruckern für das Jllustratious- wesen thätig. Sie alle leitete dabei der Gedanke, daß die Bilder ein Haupt­mittel der Belehrung und der geistigen Mitteilung seien, da sie eine Sprache reden, welche auch der, der uicht leseu kann, versteht.. Diese Anschauung zieht sich durch das ganze 15. Jahrhundert hindurch. In einem der ältesten mit Holztafeln gedruckten Bücher, welche die Vorläufer der mit beweglichen Lettern gedruckten bilden, in der ^rs inorisnäi, heißt es ausdrücklich: „Auf daß aber diese Materie allen fruchtbringend sei, wird sie sowohl schriftlich, was nur dem Kundigen dient, als in Bildern, was dem Laien wie dem Kundigen dienlich ist, den Augen aller vorgelegt." Und ähnlich sagte noch am Schlüsse des Jahr­hunderts der gelehrte Sebastian Brant: Imxsrltis xro lövtivQö xioturg, sst. Je populärer ein Werk sein sollte, umso reicher wurde es mit Bildern versehen, die nicht schmücken, sondern belehren sollten.

Die ersten illustrirten deutschen Bücher sind nicht, wie man vermuten könnte, in Mainz in der Offizin des Erfinders der Buchdruckcrkunst entstanden. Der