Die Grafen von Altenschwerdt.
Roman von August Niemann (Gotha), (Fm-lsetzmis,,)
ls Eberhardt zuriickkehrte, stellte sich ihm seine Wirtin, Fran Zeysing, als geschähe es zufällig, in den Weg, nnd sprach ihre Verwun- derung dariiber ans, daß der gnädige Herr bei dem schlechten Wetter spazieren ginge, Fran Zeysing hatte, seitdem der Baron in ihrem Hanse Besnch gemacht hatte, ihren Tvn geändert. Eberhard! war ihr nicht mehr der liebe Herr, der Bilder verkaufte, sondern eine geheimnisvolle nnd hochverehrte Persönlichkeit, Wie konnte ein Mann, der von einem Neger bedient wurde und mit Schloß Eichhausen verkehrte, etwas andres sein als eine Art von verzaubertem Prinzen? Die vornehme Dame, welche einst drobeu Geheimnisse mit dem Neger verhandelt hatte, sowie der nächtliche Einbruch kurz nachher gaben ihr viel zu denken. Sie glaubte uicht mehr an die Malerei, und sie würde sich nicht gewundert haben, wenn plötzlich eine vergoldete Kutsche erschieuen wäre, nm den rätselhaften Besuch, der Monate lang regelmäßig seine Zeche im frischen Hering be zahlte, in sein Königreich zu holen. Bei alledem hatte Fran Zeysing offene Augen nnd Ohren für die Wirklichkeit, und Eberhardt bemerkte mehr als einmal mit Mißvergnügen, daß sie ungemein viel Anteil an seineu Angelegenheiten nahm und sich ganz besonders für die Familie des Barons Sextns interessirte. Dies letztere war ihr nicht zn verdenken, da sie früher Köchin im Schlöffe gewesen war; dennoch wäre es Eberhardt lieber gewesen, wenn sie des jungen Degenhard Gänge nnd seine eignen Wege weniger scharf beobachtet hätte. Er mußte zuweilen wahrnehmen, daß die gute Frau, welche sich so gern mit ihm unterhielt, eine sehr genaue Kenntnis der Ereignisse der ganzen Umgegend, besonders aber der Ereignisse im Schlosse hatte, und es war ihm schon so vorgekommen, als wundere sie sich darüber, daß er dort nicht mehr verkehre.
Sie fragte ihn hente, nachdem sie den Regen beklagt hatte, ob er zu Mittag jungen Steinbntt mit Hummersauce essen und dazu des kühlen Wetters wegen ein Gläschen ostprenßischen Maitranks trinken wolle, den sie gar trefflich aus echtem Arrae, altem Sherry, Rotwein uud Citronensyrnp zn bereiten verstehe. Aber Eberhardt entdeckte, daß es der gute« Frau Zeysing noch auf etwas andres ankam, denn sie kramte alsbald allerhand Betrachtungen über