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Bismarcks Inkonsequenz im Streite mit den Ultramontanen.
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Bismarcks Inkonsequenz im streite mit den Ultra­montanen.

icht selten wird in der liberalen Presse der Vorwurf laut, die Politik des Reichskanzlers sei eine inkonsequente. Man bekam das in der Entwicklung verschiedncr Fragen, z. B. im Verlaufe der Zoll- und Steuerreform, zu hören, und jetzt wird die Klage von neuem erhoben: er soll seine Ansichten und Grundsätze in Betreff des Streites mit der römischen Kirche gewechselt haben. Kein Vorwnrf ist grundloser als dieser. Die Meinungen, die Wünsche des Kauzlers siud un­verändert dieselben wie vor zehn Jahren, und wenn er seine Ansprüche herab­stimmt, wenn er sich anschickt, die eine oder die andre Forderung fallen zu lassen, so ist das kein Fehler, sondern angesichts der veränderten Verhältnisse eine Notwendigkeit.

Den Fürsten Bismarck der Inkonsequenz zeihen kann nur der, welcher sich schlechterdings nicht in die Lage und die Aufgabe eines leitenden Mini­sters hineinzudenken vermag. Wer längere Zeit an der Spitze einer Staats­regierung steht, wird seine ursprünglichen Gedanken und Zwecke sehr selten ganz, ohne Veränderung oder Abstrich, durchführen können. Er hat mit dem Leben zu thuu, das sich unablässig umgestaltet, und sür dessen Wechselfülle er sich nicht im voraus einrichten und binden kann. Er kannnicht wie eine Kanonen­kugel immer geradans laufen", denn er steht Situationen gegenüber, mit denen er rechnen, nach denen er sich verhalten muß, und die keineswegs immer die­selben bleiben. Wechselt die Situation, so muß er sich in der Praxis ihr an­bequemen, vor ihr einbiegen und einen andern Plan machen und verfolgen. Im vorliegenden Falle aber wechselte die Situation vor allen Dingen dnrch die Un- Gronzboten II. 1883. 54