parlamentarische Offenherzigkeiten.
ortschrittliche Blätter wittern Konflikt und schmunzeln dabei, als schnüffelten sie den Dust einer gebratenen Gänseleber. Gewisse Geschäfte floriren ja in Kriegszeitcn mehr, als wenn das öffentliche Leben seinen gleichmäßigen Gang nimmt. Darum hoch der Krieg! Auch scheint schon das Kommando: Klar zum Gefecht! erteilt und hier und da etwas unrichtig verstanden worden zu sein, da verschiedne Herren sich plötzlich einer ebenso unerwarteten wie dankenswerten Offenheit befleißigen. Es versteht sich von selbst, daß damit nicht auf die immer häufigeren Beweise der schlechten Lebensart des verflossenen Bürgermeisters von Nenwied angespielt werden soll, wiewohl auch er sich jetzt im Eifer manchmal verschnappt. Man begreift ja leicht, daß Herr Nichter den Augenblick nicht erwarten kann, als Obcrfeldherr eines Parlamentsheeres den Herren Moltke, Bronsart s wtti ouanti den Meister zu zeigen, und da er sichs noch außerdem so uneigennützig angelegen sein läßt, in die Trockenheit parlamentarischer Verhandlungen jederzeit durch Leistungen in der niedern Komik Abwechslung zu bringen, so kann ihm wohl einmal etwas menschliches begegnen. Grobsein, wo man sich sicher weiß, von der Gegenseite nie mit gleicher Münze bedient zu werden, ist nicht schwer, aber selbst der gemeine Manu wünscht dann und wann durch etwas andres von seinem Lieblingskomiker unterhalten zu werden, und mit dem Witzemcicheu geht es nicht immer so glatt, wie man möchte. So unlängst mit der gloriosen Disjunktion: Entweder nimmt den Soldaten sein Dienst gänzlich in Anspruch, dann verschone man ihn mit Arbeit in seinem bürgerlichen Berufe, oder er hat freie Zeit, dann setze man die Dienstzeit herab. Hört man da nicht förmlich einen von jenen beliebten „Komikern" mit dem Hahnenkamm auf dem Kopfe seinen „Cousin" fragen, was schwerer sei, ein Pfund Federn oder ein Pfund Blei? Aber der Effekt war unverdient trauriger Natur. Die Myrmidoneu lachten nicht, sie nahmen den Spaß für Ernst und riefen gehorsam: „Sehr Grenzboten II. 1883. 48