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Überseeische Anuexionsxläne Frankreichs und Englands.
schickt hat. 1828 machte sie einen Versuch, an der Tritonbai eine Niederlassung zu gründen, die sich um ein Fort gruppiren sollte. Die Sache mißlaug indeß, und schon 1836 wurde das Fort verlassen und die Kolonie aufgegeben.
Natürlich konnte es nicht ausbleiben, daß die französische Presse angesichts der Opposition, welche die englische den neuesten Unternehmungen der Kolvnial- politik der Pariser Regierung zu erwecken versucht, sich über die Annexion von Neuguinea lustig machte, und man muß gestehen, daß manche ihrer Bemerkungen nicht bloß komisch, sondern auch ziemlich treffend sind. Besonders gilt dies von der Art und Weise, wie die englischen Minister den Gouverneur von Quecns- land statt ihrer handeln ließen. Es sieht aus, als ob er aus Vorsicht vorangeschickt wäre, als ob man sich bis auf weiteres gewissermaßen hinter ihm verbergen und erst die öffentliche Meinung über sein Verfahren hören wollte, ehe man es gutheißt. Den Franzosen aber erscheint er als durchsichtig oder als eine am Londoner Draht dirigirte Marionette, nnd das giebt ihnen Gelegenheit zu allerlei ironischen Spöttereien. So sagt z. B. der Lolsil vom 25. April: „Die englischen Minister waschen ihre Hände über diese Geschichte in Unschuld. Sie geht nur Queensland an. Vortreffliches Queensland! Wie bequem, wie zweckmäßig es da unten liegt! Es ist wohlbekannt, daß Queensland eine australische Kolonie ist, die bis auf die jetzige Zeit nur geringe Bedeutung hatte. Wenn Queensland Neuguinea annektirt, so denkt man an die Möglichkeit, daß Rumänien sich Rußland, Dänemark sich Deutschland, der Kanton Genf sich Frankreich einverleibt. Die Idee ist sehr drollig. Da dieses burleske System augenscheinlich bestimmt ist, hinfort einen Charakterzug der modernen Politik zu bilden, so sehen wir nicht ein, warum wir es uns nicht zu nutze machen sollten. Weshalb sollte die Jusel Vourbon nicht Madagaskar annektiren? Es würde leicht sein, unter der tapfern und unternehmungslustigen Bevölkerung Bourbons 5- bis 6000 junge Leute zu finden, die geneigt wären, sich mit der Sache zu befassen, und mit Hilfe guter Musketen und Kanonen würden sie dem Heere der Hovas bald Mores lehren. Ebenso könnte unsre Kolonie am Senegal sich das Sudan, unsre Niederlassung in Kochinchina sich das Königreich Siam, Guadeloupe sich die Insel San Domingo einverleiben. Alle diese Annexionen würden so legitim sein, wie die Annexion Neuguineas durch Queensland, und wenn Lord Granville sich gegen Herrn Challemel-Lacour über sie beklagte, so könnte dieser ihm antworten: »Ich weiß nichts von der Einverleibung Siams durch die Provinz Mytho in Französisch-Kochinchina. Sie müssen sich an Herrn Blancsube wenden, der in der Deputirtenkammer unser Kochinchina vertritt.«"
Diese Scherze sind gar nicht übel. In England aber wird man gewohnterweise denken: Ja, Bauer, das ist ganz was andres.