Die österreichische Hchuldebatte.
iederum ist im österreichischen Abgeordnetenhause eine große Schlacht geschlagen worden, Sie glich aber weniger einer offnen Feldschlacht als dem Kampfe unter den Mauern einer Festung. Jeden Morgen erneuerte die Opposition ihren Angriff, täglich fuhr sie gröberes Geschütz auf, die Regierungspartei aber begnügte sich im Vertrauen auf die Festigkeit von Mauer und Wall in der Regel mit wenigen Antwortschüssen und seltenen, unbedeutenden Ausfällen, Zum Sturm ist es nicht gekommen. Allerdings gab es Tage, cm welchen der „eiserne Ring," welcher die Rechte umspaunt, nicht mehr ganz zuverlässig erschien. Ein Frak- tiönchen, aus dalmatinischen Abgeordneten bestehend, machte Miene, sich zu ab- sentiren und mußte durch schleunige Erfüllung eines „nationalen" Begehrens neu gewonnen werden, und die Jungtschechen konnten nur durch Entwicklung der äußersten Energie seitens ihrer „alten" Stammesgenossen zur Botmäßigkeit zurückgeführt werden; aber trotzdem hing mehr als einmal die Entscheidung von wenigen Stimmen ab. Doch was half der Linken der Hohn: „Sechs Stimmen und fünf Minister"? Eine Stimme und fünf Minister hätten ja auch genügt, um das merkwürdige Resultat herbeizuführen, daß zwei feindliche Parteien sich den Sieg zuschreibe» können, die Klerikalen die Eroberung einer ersten Position, die Verfassungspartei den sogenannten moralischen Erfolg, und daß eine Niederlage erlitten haben der Parlamentarismus und die Schule,
Um eiue Novelle zum Schulgesetze handelte es sich. Von ihr nachher. Daß der Parlamentarismus wieder einmal ernstlich zu Schaden gekommen ist, darüber täuschen sich mich seine fanatischste» Anhänger nicht, und wieder haben beide Seiten des Hauses einmütig dahin zusammengewirkt, vornehmlich durch
Grenzbvten II, 18W, 35