Die Tripelallianz.
ls die Grenzboten vor einigen Monaten bei Gelegenheit des Giersschen Besuches in Varzin ganz beiläufig in drei Zeilen die Bemerkung machten, das Bündnis zwischen Deutschland uud Österreich-Ungarn sei „ein regelrecht und in aller Form abgeschlossenes, in Dokumenten niedergelegtes," ging das durch die gesamte europäische Presse und wurde der Gegenstand einer großen Menge von Kommentaren, bis die „Kölnische Zeitung" näheres brachte, was dann wieder tausend erläuternde, vermutende, zweifelnde und widersprechende Federn in Bewegung setzte. Ziemlich lange tröpfelte der Segen nach, dann hörte er auf und wurde von den meisten unzweifelhaft vergessen, sodaß die Sache in einiger Zeit wieder einmal neu sein und Sensation machen kann, während sie Scharfblickenden und Leuten mit nicht durchlassendem Gedächtnis, als diese Blätter auf sie hinwiesen, nicht unbekannt war und sie deshalb nicht echauffirte.
Jetzt wiederholt sich das infolge einer in der italienischen Deputirtenkammer gehaltenen Rede des Ministers des Auswärtigen, Mancini, der das Reuterschc Vüreau eiu Telegramm auf dem Fuße folgen ließ, welches die sensatiouelle Nachricht enthielt, es bestehe zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien ein förmliches Schutz- und Trutzbiindnis, das seine Spitze gegen Frankreich richte. Wieder gab es eine geräuschvolle und eifrige Diskussion, bei der namentlich einige Preßstimmen interessirten, welche sich aus Österreich und England vernehmen ließen und für offiziös gelten, und in deren Äußerungen u. a. die Meinung vertreten war, weuu an der Sache etwas wahres wäre, so würde man in Wien den Wünschen des deutschen Reichskanzlers ein Opfer gebracht haben. Andre bezweifelten die Existenz eines solchen Bündnisses und verbanden damit Klagen über bie bisherige Haltung Italiens. So der Ltanäg-rä und der VMz^ Grenzboten II. 1883. 21