Die Grafen von Altenschwerdt.
Roman von August Niemann (Gotha). (Fortsetzung,)
obcild Sibylle den Wagen hinter sich hatte und nicht mehr der Beobachtung ausgesetzt war, veränderte sich die gelassene und stolze Haltung der Dame, und ihr Kopf senkte sich wie in Besorgnis herab. Eine finstere Miene verbreitete sich über ihr Gesicht, während sie die Dorfgasse zurückging und dabei geradeswegs das Gasthaus anstatt, wie sie gesagt hatte, das Pfarrhaus zum Ziele nahm. Als sie es erreichte, bemerkte sie, daß der Schwarze nicht mehr draußen auf der Bank saß, und sie ging in das Haus hiuein und fragte nach ihm.
Die gesprächige Wirtin, sehr erfreut über so eleganten Besnch, knixte einmal über das andre und führte ihn dann, voll Bewunderung über das Rauschen der Seide auf ihrer eugen Treppe und über den Wohlgeruch, der sich von diesem staunenswerten Anzüge aus verbreitete, hinauf in Herrn Eschenburgs Kabine, wo der grauhaarige Neger am Fenster in einer englischen Bibel las. Dann blieb sie draußen vor der Thüre stehen, sich in Vermutungen erschöpfend, welche Bedeutung ein solches Ereignis haben könne, und sehr begierig, eine Aufklärung darüber durchs Schlüsselloch zu erlauschen.
Andrew erhob sich, als die Gräfin eintrat, führte sie höflich und als sei er nicht im geringsten durch ihre Anwesenheit überrascht, zum Sopha und blieb mit einem forschenden Ausdruck seines ehrlichen Gesichts in respektvoller Haltung vor ihr stehen.
Gräfin Sibylle blickte in dem kleinen Gemach umher, ehe sie ein Wort sprach, als wollte sie vorsichtig Grund und Boden erforschen, auf dem sie sich zu bewegen habe. Die Fensterläden, ähnlich den Luftklappen der Schiffe eingerichtet, waren zur Hälfte heruntergelassen, sodaß nur ein gedämpftes Licht den Kontrast zwischen der modernen Kleidung der glänzenden Dame und dem