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Herr Thaddäus.
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Herr Thaddäus.

keine Literatur der Welt so reich an Übertragungen guten und schlechten Übertragungen sei als die deutsche, ist nach­gerade zum Gemeinplatz geworden. Abgesehen von der wissen­schaftlichen Literatur und von jenerleichten" Unterhaltungslite- ratnr, die früher viel massenhafter übersetzt und oft genug in Weber Zeddels Sinn übersetzt wurde, und auf deren Abnahme die literarischen Verträge unverkennbar günstig gewirkt haben, ist Deutschland besonders reich an gelungenen Versuchen, das Beste und Tiefste fremder Poesie sich zu eigen zu machen. Emanuel Geibel singt:

Zu Teil ward uns die echoreiche Brust Vor allen Völkern. Hell, wohin wir schritten, Klang's in uns nachl Des Griechen Schönhcitslnst, Des Römers Hochsinn, der Humor des Britten, Des Spaniers Andachtsglut und Ehrcnblust, Des Franzmanns Witz und leichtgescill'ge Sitten, Das Hirtenglück aus fernen Morgenlanden, Wer hat's, wie wir, ergriffen und verstanden?

Um die Namen aller der Völker und Literaturen aufzuführen, deren poetisches Leben wir seitdem in das unsre geschlossen oder zu schließen versucht haben, hätte der Dichter noch mehr als eine Ottave der angeführten hinzufügen dürfen. Freilich ist zwischen diesem Reichtum und dem, was Allgemeingut größerer Kreise geworden ist, ein gewaltiger Abstand, das allermeiste von dem, was neuerdings übertragen worden ist, hat nicht einmal die begrenzte Verbreitung gefunden, welche seinerzeit Gries' Calderon oder Tasso, Böttgers Byron und andre ge­fundeil haben. Die ohnedies zerstreute und lässige Teilnahme selbst der Em­pfänglichen hat durch die Vielteilung, die ihr zugemutet wird, eine bedeutende Minderung erfahren, und der Erfolg der sich mehrenden Übertragungen aus dem Russischen und Polnischen, Serbischen und Böhmischen, Schwedischen und Norwegischen, aus dem Rumänischen und der Himmel weiß aus welchen Sprachen sonst noch, ist meist der, daß die Übersetzer der Liebe Müh umsonst aufgewendet haben, und daß selbst vortreffliche, in mehr als einem Betracht interessante Über­tragungen kein Publikum finden. Wir fürchten, daß dies in der literarischen Überproduktion der letzten Jahrzehnte begründet ist, und daß im ganzen daran wenig zu ändern sein wird, wenn schon im einzelnen eine Ausnahme wünschens­wert wäre.