KM
9ie deutschen Kriegervereine.
!
Lin Beitrag zur Geschichte des Partikularismus.
nter den verschiednen Faktoren, welche es dem tief gedemütigten Preußen im zweiten Dezennium unsers Jahrhunderts ermöglichten, aus der Zeit schwersten politischen Niederganges und äußerster materieller Erschöpfung zu erneuter Krastentwicklung sich aufzurichten, nehmen die Anfänge der allgemeinen Wehrpflicht nicht die letzte Stelle ein. Die gesunde Weiterentwicklung des hohen Gedankens, welcher die Verteidigung des Vaterlandes der Gesamtheit aller waffenfähigen Männer überträgt, statt die höchsten Güter der Nation einer besoldeten Klasse sogenannter Berufssoldaten anzuvertrauen, hatte die Schaffung eines Heeres im Gefolge, dessen Siegeslauf grundlegend geworden ist für die weitere Machtentfaltung Preußens, wie später für die Weltstellung des neuen deutschen Reiches. Dies hat man auch über die Grenzen Deutschlands hinaus wohl erkannt, und so sehen wir jetzt die Heereseinrichtungen fast sämtlicher europäischen Großmächte sich auf die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht stützen.
In Preußen wie in Deutschland überhaupt erblickt man in dem aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Heere nicht allein das scharfe Kriegsinstrument, welches in jahrelanger mühevoller Friedensarbeit geschult worden ist, äußere Feinde siegreich niederzuwerfen, und den roollsr äs oror^ö, dessen ruhiges und festes Eintreten fiir die Sache der legitimen Herrscher und der gesetzmäßigen Institutionen über allem Zweifel erhaben ist, wenn, was Gott verhüten möge, die Hydra revolutionärer Bestrebungen in unserm Vaterlande es wagen sollte, ihr Haupt zu erheben. Zwar tritt die Leistung des Heeres als das Schwert Deutschlands nach außen hin zuerst und am augenscheinlichsten hervor, doch erwächst dem Staate und der Gesamtheit der Nation aus der allgemeinen Wehrpflicht auch ein innerer Vorteil von hoher, nicht zu unterschützender Bedeutung. Dieser liegt begründet in der pädagogischen Aufgabe der Armee, welche sich nicht damit begnügt, die zu den Fahnen einberufenen Männer mit den Grundzügen des eigentlichen Kriegshandwerks, dem Gebrauche der Waffen und dergleichen bekannt zu machen, sondern bestrebt ist, die ihrer Fürsorge anvertrauten Landeskinder zu körperlich und geistig gesunden Menschen weiterzubilden, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, Treue gegen das Vaterland und das angestammte Herrscherhaus, Gehorsam, willige Unterordnung, zugleich mit der gesteigerten Urteilskraft des Gefühls der eignen Menschenwürde, zu wecken und zu fördern und für die Vermehrung solcher Kenntnisse Sorge zu tragen, welche dem Einzelnen im spätern bürgerlichen Leben nötig und von Vorteil sind.