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Romane aus der Völkerwanderung.
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Romane aus der Völkerwanderung.

ie allgemeine Meinung über Wesen und Leben der Literatur neigt dahin, von schlimmen Tagen der Literatur zu sprechen, sobald eine Überzahl von vermeintlich Berufenen sich neben den wenigen Auserwählten hervordrängt, sobald der Schein an Stelle des Echten und Vortrefflichen gepriesen wird, sobald die Mittelmäßig­keit und jener fröhliche Dilettantismus, welcher es noch nicht einmal zur Mittel­mäßigkeit bringt, breit im Vordergrunde der literarischen Bühne steht. Doch ist dies bei näherer Betrachtung der immer wiederkehrende Zustand in allen, auch den geprieseusten Literaturperioden, und so wenig erfreulich die beständige Bevorzugung oder mindestens Gleichschätzung des Untergeordneten oder gar Nichtigen ist, sie gehört eben zn jenem „stillschweigenden Vertrag," auf den sich „Rmneaus Neffe" in Diderots gleichnamigem geistreichen: Dialog be­ständig beruft. Größere Dichter und bessere Schriftsteller, als heute leben, haben sie ertragen, Goethe und Schiller haben nicht nur Johann Jakob Engel, sondern auch Kotzebue und August Lafontaine als Gleichgeordnete neben sich nennen hören müssen. Es wäre kindisch, wollten die Tüchtigen des Tages darum am Publikum, an sich und ihrer nachhaltigern Wirkung verzweifeln, weil die Mode- und Schwindelberühmtheiten für den Augenblick eine sichtbarere Wirkung hervorbringen. Nein, noch einmal seis gesagt: Nicht das ists, was uns an der gedeihlichen Fortentwicklung unsrer Dichtung zu Zeiten verzagen läßt und die schwersten Bedenken erregt, sondern das, daß der verhängnisvolle Zug des Tages, die Lust zur Überproduktion, zur Ausbeutung eines für die künstlerische Dar­stellung neueroberten Gebiets, die Unterordnung unter die schlechten Neigungen und Unarten des Publikums, die Gleichgiltigkeit gegen poetische Reife und gegen das Streben nach künstlerischer Vollendung nach und nach auch die wahrhaften Talente erfaßt, daß unter dem Schutze guter, wohlerworbener Namen dem deut­schen Publikum unerfreuliche und unreife Werke oder armselige Wiederholungen schon oft gegebener Darstellungen immer häusiger und immer unbefangener dar­geboten werden.

Wir haben in diesen Blättern schon wiederholt ans die wunderliche Neigung der Gegenwart zu jener Gattung von Romanen aufmerksam gemacht, welche nicht als historische, sondern als archäologische Erzählungen bezeichnet werden müssen, Erzählungen also, in denen nicht die Gestaltung eines poetischen Vor­ganges, welcher nur auf dem Hintergrunde einer bestimmten Zeit gedacht werden kann und demgemäß die Schilderung dieser Zeit mit in sich begreift, sondern in denen die Mitteilung von gewissen Kenntnissen, die bequeme und gefällige