Eduard von Hartmann als Politiker.
ir sind keine Verehrer der „Philosophie des Unbewußte»," die n»S vielmehr als eins der Krankheitssymptome unsres Zeitalters erscheint. Daher gingen wir mit ziemlich starken, Mißtrauen an die Leetüre einer Schrift des Urhebers jener Philosophie, die uns vor kurzem zukam: „Die politischen Anfgaben und Zustände des deutschen Reiches" (Berlin, Carl Dunckers Verlag). Dieses Mißtrauen führte jedoch zu angenehmer Enttäuschung; denn die Ansichten, denen wir begegneten, waren beinahe ausuahmsloö Zeugnisse für eine tadellose politische Logik, praktischen Sinn und gesundes Urtheil. So war nus z. B. gleich zu Anfange dos, was der Verfasser über die Nothwendigkeit eines deutscheu Vvlkswirschaftsraths bemerkt, durchweg aus der Seele gesprochen, und je weiter wir lasen, desto mehr gefiel uns der wohldurchdachte Juhalt und die klare, feste Form des kleinen Buches, und als wir damit zu Eude waren, erschien es uns beinahe uneingeschränkter Empfehlung werth. Wir kommen somit nnr einer Pflicht gegen die Sache nach, welche diese Blätter vertreten, wenn wir im folgenden die Hauptgedanken der Hcirtmaunschen Darlegung, soweit wir mit ihr übereinstimmen — namentlich aber die Ergebnisse, zn welchen der Verfasser gelangt, in kurze Sätze wie zu einem Bekenntnisse zusammengefaßt, unsern Lesern mittheilen.
Unsre Parlamentarier sind über wirthschaftlichc Dinge selten genügend unterrichtet, und ebenso mangelt eS ihnen auf diesen? Gebiete in der Regel au der Unbefangenheit, welche aus gründlicher Kenntnißuahme von den einander entgegenstehenden Richtungen und eingehender Prüfung entspringt. Hat sich der eine oder der andre ein Urtheil über die Grundzüge eines idealen Wirtschaftssystems gebildet, so kaun er in der Regel noch lange nicht behaupten, für Grenzbotcn IV. 1881. 63