Das Ministerium Gambetta.
raukreich hat in der letztverflosseueu Woche große Dinge erlebt. Die geheime nnd doch allbekannte Ncbenrcgieruug rieben dem Ca- binet des Präsidenten Grvvy ist hinter ihrem Vorhange hervorgetreten, Gambetta hat endlich die Verantwortlichkeit für sein politisches Thnn und Lassen übernommen, er ist als Ministerpräsident vor die Kammern getreten, nm ihnen sein Programm vorznlegen. Eine dreizehnjährige unablässige Anstrengnng hat ihn von der Stellung eines vbseuren kleinen Sachwalters, der 1868 Gelegenheit fand, sich als Politiker in den Mund der Leute zu bringen, in das hohe Amt geführt, welches er svcbeu nuter Bedingungen angetreten hat, die an sich schon ein Zeugniß für seine persönliche Macht sind. Bisher begnügte er sich, vorübergehende Ministeriell mehr oder weniger mit seinen Anschannngen und Tendenzen zn stempeln und die, welche sich das nicht gefallen ließen, von ihrem Posten hinwegznmanövriren. Jetzt wird er genöthigt sei», auf Grund einer sorgfältig vorbereiteten und möglichst gesicherten Stellung Frankreich mit seinen eignen Fähigkeiten zu dienen und sich von den Vertretern desselben darüber zur Rechenschaft ziehen und richten zu lassen. Niemand wird bestreite», daß er sich den Weg zn diesem Erfolge selbst gebahnt und geebnet hat, und weuu der Erfvlg zugleich der Beginn einer Prüfung ist, so stellt er sich zu derselbe» iu eiuer günstige» Position, dir gleichfalls zum großen Theil sein Werk ist. Er hat alle möglichen Nebenbuhler sich verbrauchen nnd erschöpfen lasse». Die Fraetivnen der monarchische» Partei sind in der Arena der Wahlen geschlagen worden nnd bilden nur »och Trümmer. Die Republik, in einer Straßenemenle während eines unglücklichen Krieges geboren, hat sich befestigt. Er hat eine Depntirtenkammer vor sich, die ans Nen- wahlen hervorgegangen und keinem besonder» Ministerium verpflichtet ist — dcun die Regierung Ferrhs war todt, ehe die beiden Hänser der Landesvertretung sich versammelten — und die erste Abstimmung derselben ergab, obwohl der betreffende Antrag Barodets (auf Umgestaltnng des Senats) von Clemeneean unterstützt wurde, für Gambetta eine Majorität von 368 gegen 120 Stimmen. Der ueue Ministerpräsident hat endlich außer seinen Cvllcgen keinen einzige», der befähigt oder gewillt wäre, seine Pläne zu hindern oder zn vereiteln und für sich selbst Carriere zu mache». Er ist vv» alte» uud neuen Freunden umgeben, Bewunderer uud Bundesgenosse», die nur darauf bedacht sein werden, ihm Handreichung zn thnn, und die er in der öffentlichen Meinnng wie der Montblanc seine Vvrberge überragt.