Literatur.
Die Abiturienten der Realschulen I-O, und Gymnasien in Preußen vor dem Fornm der Statistik von Dr. E, A> Richter, Dircctor des Herz. Fricdrichsgymnasinms in Altcuburg, Altenburg. O. Bonde, 1881.
Das vorliegende Schriftchen giebt einen ebenso interessanten wie verdienstlichen Beitrag znr Beantwortung der Frage, ob die auf den Gymnasien oder die auf den Realschulen genossene Vorbildung den Vorzug verdiene. Die Anhänger der Realschule hatten mit großer Genugthuung auf die angeblich viel glänzenderen Prüfungsresultate der Realschulabiturienten hingewiesen und damit zu beweisen gesucht, daß die Realschulbildung mindestens ebensogut, ja viel besser sei als die Gymnasialbildung, und hatten sich zu diesem Beweise hauptsächlich der Zahle», als der untrüglichsten Beweismittel, bedient. Ja, das sind sie wohl für den, der ihre stumme Sprache versteht und ohne Vornrthcil nur darauf ausgeht, die Wahrheit zu suchen; sonst aber sind sie höchst trügerisch uud führen zu sehr verkehrten Schlüssen, wie die vorliegende Schrift nachweist. Mit vollem Rechte tadelt der Verfasser derselben zuerst die unmittelbare Vergleichung verhältnißmäßig sehr ungleicher Zahlen, die kein genaues Resultat geben können. Aber es sind auch nicht die Einzuzahlen allein, welche verglichen werden dürfen; vielmehr bedarf es hierzu ganzer Reihe». Die Realschule entläßt viel weniger Abiturienten als das Gymnasium; so unterzogen sich — die folgenden Angaben für die Jahre von 1877 an sind vom Referenten aus dem Ccntralblatte entnommen — 1877 bis 1879 von der Gesammt- frequenz aller preußischen Gymnasien jährlich 4,65"/„. an den Realschulen dagegen in denselben Jahren nur 2,78"/^ dem Mnturitätsexcunen, also nur circa oder 60"/^ von den Gymnasialabiturienten. Es gingen demnach von der Realschule weit mehr vor dem Maturitätsexcnnen ab als vom Gymnasium, und da dies erfahrungsmäßig meist diejenigen sind, denen es an den nöthigen intellektuellen und moralischen Eigenschaften fehlt, so müssen sich unter den Gymnasialabiturienten viel mehr minder begabte befinden; man müßte sonach die sämmtlichen Realschulabiturienten nur den 60"/,, der bessern Gymnasialabituricnten gleichstellen. Beständen also alle Real- schnlabituricnten, so würden die Gymnasialabituricnten denselben der Zahl nach verhältnißmäßig noch gleichstehen, wenn von ihnen nur 60 "/^ beständen. Nun aber ist die Differenz eine sehr geringe; ja 1877 bis 1879 bestanden sogar von 9649 Gymnasialabiturienten 7844 81,29"/,,, von den 2341 Realschulabiturienten dagegen 1395 80,9S°/g, also schon absolut genommen mehr. Ferner: Von den Gymnasialabituricnten widineten sich Universitätsstndien 1872 bis 1376 durchschnittlich 31,1°/„, Realschüler dagegen nur 23,2«/„ (Richter, S. 17); etwas verändert ist das Verhältniß 1877 bis 1379. wo 86,14°/,, Gymnasial- und 45,65"/^ Realschulabiturieuten zur Universität gingen, also im ganzen 1872 bis 1879 mindestens doppelt so viele Gym»asialabiturienten. Von diesen unterzogen sich dem Staatsexamen 41,9°/« Gymnasial-, aber nur 22.4°/g Realschulabiturieuten, also wenig mehr als die Hälfte! Verglichen sind natürlich uur die Prüflinge in den Fächern, welche beiden zugänglich sind, also in Mathematik, Naturwissenschaften und neuern Sprachen. Die Prüfungsresultate aber sind auch hier nicht sehr verschieden, wie die Tabelle bei Richter S. 25 zeigt, und vom 1. April 1330 bis 1831 erhielten (vgl. Central- blatt 1331. S. 432 ff.):
die erste Censur: die zweite: die dritte: von 88 Realschulabiturieuten 17 19,32°/.; 34 38,64; 37 ^- 42,04: „ 136 Gymnasialabiturieuten 20 14,71°/„; 71 S2.21; 4S 33.03. ES stehen also den 19.32«/« Realschulabiturieuten mit der ersten Censur zwar nur