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Die akademische Kunstausstellung in Berlin. 2.
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Literatur.

und das der Poesie anfängt. Nach der dramatisch-pathetischen Seite hin wird diese Arbeit bei weitem durch Max Kleins Germanen übertroffen, der, als Kämpfer im römischen Cireus gedacht, einem Löwen mit eisernen Armen den Bng umklammert hält, daß der Bestie der Athem ausgeht. Es ist eine Gruppe von höchster realistischer Kraft in der Darstellung. Wie man dagegen weibliche Anmuth in gefälliger Fvrmensprache auszudrucken hat, lehrt Neinhvld BegaS' Nymphe, die den Rücken eines Centauren zu lustigem Ritte besteigt, und die schmollende Venus von Rudolph Schweinitz, welche dem ängstlich drein­schauenden Amor die Flügel beschneidet.

Literatur.

Bilder ans dcr deutschon Culturgcschichtc von Albert Richter. 1. Lieferung, 1. Hälfte. Leipzig, F. Braudstettcr, 1881.

Der Verfasser dieses Buches will einen vollständigen Ueberblick über alle Ge­biete deutscher Cultur geben und hofft seiner Aufgabe dadurch gerecht zu werden, daß er das geistige wie das materielle Leben des Volkes iu anschaulich gehaltenen, mit reichem Detail ausgestatteten Bildern vor die Augen der Leser führt. Zu diesem Zwecke hat eraus Hunderten von neueren Werken über einzelne Gebiete dcntschen Volkslebens, sowie aus zahlreichen Aufsätzen wissenschaftlicher Zeitschriften das Material zusammengetragen, und weit entfernt von dein Glauben, eiue selb­ständige wissenschaftliche Arbeit geliefert zu haben, nimmt er für sich nur die An- crkennnng in Anspruch, daß er das Material aus den besten Quellen zusammen­getragen habe zu bequemem Gebrauche für diejenigen, die weder Gelegenheit noch Zeit haben, die von dem Verfasser benutzte Literatur zu bewältigen, um das für ihre Zwecke geeignete herauszusuchen."

So weit der Prospect. In der That ist das, was Richter in dem ersten Hefte bietet, nach guten Hilfsmitteln, meist bekanntem und schon in populärer Form geschriebncu, wie Arnolds Deutscher Urzeit, Kaufmanns Deutscher Geschichte bis auf Karl den Großen, Dcchns Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker gearbeitet. Andre bekannte Bücher, wie Lindcnschmits Deutsche Alterthumskundc, sind unbenutzt geblieben. So klar und übersichtlich aber auch die Darstellungen Ueber die Urbewohner Deutschlands,"Deutschland jetzt und ehemals,"Das Kriegswesen der Germane»" n. s. w. sein mögen, man merkt ihnen doch an, daß der Verfasser nur zusammengestellt hat, aber in die Quellen nicht eingedrungen ist. Es fehlt die Farbe, die z. B. Freytag in seinen Bildern aus der deutschen Ver­gangenheit, Scheube in seinem BucheAus der Zeit unsrer Großväter," Schmidt imGraf Albrecht von Hohcnberg" uud v. Löher inJakobäa vou Bayern" trefflich zn verwenden verstanden haben, weil sie Zeiten schilderten, mit denen sie durch ihre Studien sich eingehend bekannt gemacht hatten. Bei Nichter haben wir es nicht mit Bildern, sondern höchstens mit etwas ausgeführte« Skizzen zu thun-

Eignet sich aber überhaupt solch eiue lange Reihe culturhistorischer Darstellungen zur Lectürefür alle Kreise dcr Gebildeten und als geeignetes Bildungsuüttel für die heranwachsende Jugend?" Wir möchten es bezweifeln. Eine Darstellimg, welche für bestimmte Jahrhunderte das iu vollem Flusse befindliche geistige Leben des Volkes fixiren will, ohne Rücksicht zu nehmen auf die großen politischen Bewegungen, die mit jenem in engem Zusammenhange stehen, wird einem Drama ohne Hand­lung gleichen und auf die Dauer gewiß ermüdend wirken.

Für die Redaction verantwortlich: Johannes Gruuow in Leipzig. Verlas, von F. L. Herbig in Leipzig. Druck von Carl Marquart iu Reuduib-Leipz-g-