Beitrag 
Aus und über Amerika.
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472

Politische Briefe.

von 615 401 031 Dollars. Vor solchen Summen verschwindet dns National-Budget und mit Bezug auf die erste Summe sogar die National-Schuld. Dabei ist uicht zu vergessen, daß der ganze Apparat dieser colossalen Macht in wenigen Händen ruht." Die Brutto- und Netto--Einnahmen der Eisenbahnen beweisen, daß die­selben fortfahren, ausgezeichnete Geschäfte zu machen. Eine natürliche Folge davon müßte sein, daß die Frachten erheblich billiger würden. Es läßt sich mm auch Wohl uicht leugnen, daß sie im allgemeinen billiger geworden sind; aber man ist in Amerika doch entschieden der Ansicht, daß die Frachtraten nach den Grundsätzen eines soliden und ehrlichen Transport-Geschäfts noch niedriger bemessen werden könnten.

Schließlich noch die Bemerknng, daß das Attentat vom 2. Juli d. I. mög­licherweise auf das corrupte Aemterweseu in der nordameriknnischen Union einen wohlthätigen Einfluß ausüben wird. Nicht nur die einzelnen Cabinetsmitglieder haben diesen Gegenstand einer reiflichen Berathung unterzogen, sondern auch im Volke beschäftigt man sich sehr eifrig damit, indem eine ganze Anzahl von Civil­dienstreform-Gesellschaften gegründet worden ist, deren Aufgabe es ist, die Agita­tion in dieser Frage fortzusetzen und zugleich Mittel und Wege zu ihrer Lösnng vorzuschlagen. Einen wirklichen und zwar möglichst baldigen Erfolg dürfte diese Agitation freilich nur iu dem Falle haben, daß der Präsident Garfield am Leben erhalten bleibt. Wenn Guiteaus Verbrecherthat dem Leben Garfields ein vor­zeitiges Ende setzt, so ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß mit dcni Einzüge des jetzigen Vieepräsidenten Arthur in dasWeiße Haus" eine gründliche Reform des Civildienstes beginnen würde. Das Gerücht aber, Arthur sei geneigt, nach dem etwaigen Hinscheiden Garfields auf die Uebernahme der Präsidentschaft zu ver­zichten, erscheint vollständig unbegründet uud hat bis jetzt nicht die geringste Be­stätigung erhalten.

politische Briefe.

^0. Der Umschwung im deutschen Volke.

s sind fast zwei Jahre November 1879, daß Heinrich von Treitschke in denPreußischen Jahrbüchern" folgende Worte schrieb: Wer die letzten Monate im Allsland verlebte und nun plötzlich wieder eintritt in die stürmische deutsche Welt, der erschrickt fast vor diesen: Erwachen des Volksgcwissens, vor diesen tausend Stimmen, die sich untereinander entschuldigen oder verklagen. Der Hergang ist um so erstaun­licher, da er sich fast ganz unabhängig von der Presse vollzieht; denn noch nie sind unsre Zeitungen so wenig ein Spiegelbild der öffentlichen Meinung gewesen. Wenn man die Mehrzahl der deutschen Blätter durchmustert, so sollte man meinen, die liberalen Wunschzettel der sechziger Jahre und der naive Glaube cm die un­fehlbare Macht der »Bildung« beherrschten noch immer unser Volk."