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Die Entwicklung der Feudalität und das deutsche Kriegswesen im frühen Mittelalter :
(Fortsetzung.)
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Die Littwicklung der Feudalität und das deutsche Uriegswesen im frühen Mittelalter. 199

umgeben, selbst vhnc jede maritime Macht, war das Reich durch die höchste Gebirgsmassc Europas in zwei uach Sprache, Sitte uud Lebeusbcdinguugeu völlig verschiedene Theile zerrissen, die, ohne gemeinsame Interessen und mit nur sehr wenigen gemeinsamen Erinnerungen, ein und demselben Staatsgedanken folgen sollten, während sie doch nur mühsam auf Sanmpfaden unter einander zu verkehren vermochten. Der Gedanke dieses seltsamenrömischen Kaiserthnms deutscher Nation" ist vermuthlich der Verbindung des Königthums mit der Kirche entsprnngen; seinem ursprünglichen Inhalte nach hätte er. da er doch den Begriff des römischen Imperiums einschloß, feindlich gegen die aristokratischen Gewalten wirken müssen; aber merkwürdigerweise kam auch er thatsächlich der Feudalentwicklung zugute. Demi um die eigne Theorie zu volleudeu, bedürfte das Lchenswescn eines höchsten Weltgcbietcrs, von dem aller Grundbesitz und alleMannschaft" ausging, uud so faßte man denn den Kaiser auf als den idealen Obcrlehnsherrn aller Könige und Fürsten und betrachtete ihn, der selbst von Gott die Weltzu Lehcu" besaß, als den Schlußstein der Feudalverfassnng. Schon der Titel, welchen Otto I. annahm, war in diesem Sinne gewählt. Karl der Grvße hatte sich Imxsritwr Lao-nr «ü-rrolus rsx ?rimeorum st IiiMZ'vwr- äorum genannt; Otto bezeichnete sich bis zu seiner Krönung in Rom als Rsx I'rimeorum 0risnwwra; nuu aber legte er alle Titel ab mit Ausnahme des höchsten: Imxvrg.tor ^.ug'v.8ws.

Die erhabnen Ansprüche, welche Otto mit der Kaiserkrone erworben, trieben ihn an, auch anderweitige Erobernngsvläue wieder aufzunehmen, die seit Karls Tagen in den Hintergrund getreten waren, und die wachsende Kraft des deutschen Volkes legte die Macht iu seine Hände, um solche Entwürfe durchzuführen. Allerdings empfing Otto, wenn er als Kaiser forderte, doch nur als König. Schwer'aber ist es zu sagen, was er erhielt, welche Kriegsmacht eigentlich Ottvncn zur Nerfüguug stand.

Das Heer, welches im Jahre 961 unter Berengar dem Könige Otto I. den Weg nach Italien verlegen sollte, bestand anö 60,000 Mann; man wird also annehmen dürfen, daß die deutsche Streitmacht, welche augriffSweise zn verfahren hatte, nicht viel schwächer gewesen sein wird; aber es fehlt an Be­weise» dafür. Ein erhaltener Anschlag, der unter Otto II. für einen Zug »ach Italien gemacht wurde, umfaßt leider nur eiucu Theil des Reiches. Aus chm geht hervor, daß 29 geistliche Fürsten 1428 lorieM stellten, die entsprechende Masse der weltlichen Lehensträger aber zusammen nur etwa 600. also noch lange '"cht die Hälfte der vvu den Geistlichen anfzubriugeudeu Heeresmacht.') Der

*)'^7dm qeistlich-n Fürsten stellen Mainz. Cöln. Stt-chburg ,md Angsburg je ^ Pauzerreiter.'Trier. SalMra. ReaMslmr-, je 70, Verdun.Lutt.ch Wnrzburc,, ,o.me

Abteien Fnlda nnd Reichen«» je 60, Eichstadt. Lorsch und WeHendurg je 50, Chm. E°"lta»z. Worms. Freisinn, Briinn, Hersfeld. El.«» j« 40. Ken.pten M Sperer. ^ul S'bn,. Sannallen nnd Mnrbnch je 20, Cmnbrai 12 w'ic-^. Von 12 K.r-Henfnrsten w.rd