Die Lntwicklung der Fendalitä't uno das de»tsche Rriegswesen im frühen Mittelalter. 189
seinem persönlichen Interesse nachreitenden schreiben wollte. Dagegen leistete er einige Zeitromane, die Glück machten, obwohl sie eher alles andre als Kunstwerke waren.
Hiermit wäre man in Betreff des Verfassers unsrer Schrift und des Hauptgegenstandes derselben soweit aufgeklärt, daß man sie mit Nutzen und ohne Schaden lesen kann. In einem folgenden Abschnitt werden wir einiges von dem neuen, das sie bringt, mittheilen.
Die Entwicklung der jeudalität
und das deutsche Kriegswesen im frühen Mttelalter.
von Max Iähns. (Fortsetzung.)
it zwingender Gewalt löste nach Karls des Großen Tode der unwiderstehliche Sondertrieb der einzelnen Nationalitäten das abendländische Kaiscrthnm ans. Gelang es anch noch einmal dem Arnulf, von Baiern aus, wenigstens den Gedanken des Imperiums zu retten, im wirklichen Leben fand er keine Stätte mehr; überall schießen die Vvlksmasse» um örtliche Mittelpunkte zu kleinereit Stammesgrnppcn zusammen. Mit dem Kaiscrthnm zugleich schieu auch das Königthum verloren zu sein; die Zeit der Hcrzogthümer war aufs neue angebrochen. In Frankreich tobte der Streit zwischen den Resten der karlingischen Familie und den großen Vassallen; nicht geringer waren die Parteikämpfe in Burgund, und das vstfränkische Reich zerfiel um das Jahr 900 in fünf erbliche Hcrzogthümer: Franken, Schwaben, Lothringen, Baiern und Sachsen, die nur sehr lose durch den Königsnamen verbunden waren. Wenn man sich fragt, wo auf dem vom Gcrmancnthume im 10. Jahrhundert innegehabten festländischen Boden eine Macht emporwachsen konnte, welche imstande war, sich als Kern eines selbständigen Deutschthums zu behaupten, so liegt die Vermuthung nahe, daß dies nur da geschehen konnte, wo die Bedeutung altherzoglichcr Macht zusammenfloß mit der kriegerischen Kraft markgräflicher Würde und beide zugleich von eigenartigem VolkSthumc getragen wurden. Diese Bedingungen waren in Sachsen gegeben.
Länger als bei allen andern germanischen Stämmen haben bei dem der Sachsen Religion, Staatsverfassnng, Wehrwesen und Kriegführung sich in den Merthümlichen Formen der Urzeit erhalten. Ein Theil des Volkes hatte in der