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Russische Agrarzustände.
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Russische Agrarzustände.

von Lrnst von der Brüggen.

ast scheint es an der unrechten Zeit zu sein, heute vvn rnssischen Agrarzuständcn zu reden, statt von Nihilisten, von Mord und Minen, vom neue» Zar und von seinen nenen Ministern, Die Ereignisse des Tages drängen sich so eilig, daß die äußern Er­scheinungen der mancherlei in dem russischen Staate und Volte wirksamen Gewalten, ihre jeweiligen nnd thatsächlichen Wirkungen die ganze Auf­merksamkeit der politisch interessirten ausfüllen und daß man gerade jetzt am ehesten die Forschung nach den dauernden Quellen der ungewöhnlichen Ansbrüche, die wir sehen, bei Seite läßt. Mau hat zu oft zu fragen, was iu Rußland wiederum geschehen sei, um sich daueben um das Warnm noch groß kümmern zu können, Nnd doch sind die Ereignisse unsrer Tage längst nicht mehr halb zufällige Be­gebenheiten vvn oberflächlicher oder örtlicher Bedeutung, sondern zumeist Er­scheinungen von tiefgreifender Wurzel, begründet in den Zuständen großer Länder­strecken und zahlreicher Bevölkerung. Die lange berechtigte uud noch länger verkündete Behauptung, dnß der Nihilismus bloß das Hirngcspiunst weniger jugend­licher Schwärmer sei, kann heute schwer mehr verfochten werden, da trotz der Tausende, welche unschädlich gemacht wurden, immer wieder neue Herde dieser Schwärmerei entdeckt werden, und da der Zar selbst, indem er die Jnden- hetze der letzten Wochen auf Rechnuug revolutionärer Anstiftungen gesetzt, den großen Einfluß dieser revolutionären Verbindungen offieicll beglaubigt hat. ES giebt also im heutigen Nußland in der That eine erhebliche revolutionäre Macht oder doch erhebliche revolutionäre Mächte, nnd es giebt Volksthcile, die ihrem Einfluß folgen. Das bezeichnet ganz andre Gefahren, als in dem vereinzelten Wahnsinn von Königsmördern liegt, die zu alleu Zeiten aus persönlichem indivi- Grenzbotm III. 1L81. 7