politische Briefe.
9- Der Ausging dos Reichstages.
ine merkwürdig Session, cirm an unmittelbaren Ergebnisse!?, reich an wcitgreifeudeu Folgen. Das Uufallversicherungsgesetz ist gescheitert, insofern es von der Mehrheit des Reichstages in einer Gestalt beschlossen wurde, die ihm allen Werth raubte und folglich die Regierungen nöthigt, die werthloscn, wenn nicht schädlichen Beschlüsse der zweiten Berathung, welche die dritte lediglich bestätigte, nicht znin Gesetz werden zu lassen.
Die nächste Folge dieser Vehandlnng der wichtigsten Vorlage der Session durch den Reichstag — wir sagen jetzt nicht: durch die Mehrheit des Reichstages, denn die Mehrheit der Schlußabstimmung begriff die Freunde der ursprünglichen Vorlage zum größte«? Theil in sich, und mit geringen Ausnahmen bestand auch die Minderheit der Schlußabstimmung ans Gegnern der ursprüngliche» Borlage — besteht darin, daß der Reichskanzler mit den Regierungen als der einzige dasteht, der einen Anfang machen will mit der Abhilfe der ans so vielen schädlichen Quellen zusammenfließenden Arbeitcrnoth, daß die politische?? Parteien des Reichstages fast sämmtlich in den? Lichte dastehen, nichts zur Heilung der Arbeiternoth thun, sondern höchstens mit dem Schein der Hilfe sich von der dringendsten Pflicht der modernen Gesellschaft und ihres Staates loskaufen zu wolle». Ob diese Belenchtnng den Parteien zuträglich sein wird, dürfte fraglich seiu, so sehr sich auch die liberale Opposition darin gefällt, vv» einer Niederlage des Kanzlers und voi? einem großen liberalen Siege zu spreche».
Grenzboten II. 1881. 6ö