518 Literatur,
Ihrer gerechten Wünsche finden. Kein Eigenthum, keinerlei Fesseln, also anch keine Ehe mehr, und keine Verpslichtnng der Eltern, für ihre Kinder zu sorgen.
Das sind die segensreichen Folgen, welche aus der Einführung der alten Mamsell in die Schule entspringen, und mir bleibt nichts mehr übrig, als Sie aufzufordern, durch dreimaliges Aufstehen von Jhrcu Sitzen der hochherzigen Fran Marlitt unsre Huldigung und unsern ehrfurchtsvollen Dank nuszusprechcu dafür, daß sie der Menschheit den Anstoß gegeben hat, die Bahn der Tugend uud Gerechtigkeit wieder zu betreten, die sie verlassen, seit sie durch deu Sündenfall das Paradies eingebüßt hat. Bei unsrer Ankunft in Lcmurien soll es unsre erste Pflicht sein, ihr ein würdiges Denkmal zu setzen, damit die Nachwelt nie vergesse, daß sie mit ihrer alten Mamsell die Wiederherstellung Polens und damit logisch uud cousequent die Rückkehr der Völker zum Ausgaugspuukte der Geschichte veranlaßt hat. Ein dreimaliges Hoch auf die alte Mamsell!"
Alle erhuben sich feierlich und begeisteruugsvoll von ihren Bänken, und dreimal erschallte der Jubelruf durch den Saal: „Hoch die alte Mamsell!" Nur die unverbesserlichen Zündnadler schwiegen, und die fünf oder sechs Mitglieder des Hauses, denen angedeutet worden, daß sie ihre Koffer nach Jerusalem zu adressiren haben würden, machten betretue Gesichter, als ob ihueu diese Cvu- scauenz ihres Sieges nicht in die Rechnung paßte.
Literatur.
Ueber Goethes Stellnug zur Tonkunst. Vou Dr. Ernst Niemeyer. Programm des Königl. Gymnasiums iu Chemnitz, 1831, Das Verhältniß Goethes zur Musik ist schon vor längerer Zeit in dem bekannten Büchlein von Bock, neuerdings auch von einem Franzosen, Jullien, in einer Schrift Soetlio et lg, muÄguk behandelt worden, in keiner von beiden erschöpfend. Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung hat das vorhaudue reiche Quellcu- matcrial nochmals durchforscht und erörtert in der zunächst veröffentlichten ersten Hälfte seiner Arbeit die Frage: In wie enge Beziehungen ist Goethe znr Tonkunst getreten? Ein zweiter Theil soll die weitere Frage beantworten: Wie tief ist Goethe in das Verständniß der Musik eingedrungen? In dem vorliegenden Theile geht der Verfasser iu der Hauptsache chronologisch zn Werke; er verfolgt die äußern Beziehungen Goethes zur Musik von seiner Kindheit an bis zu seinem Tode. Drei Name» siud es, die hier besondres Interesse erregen und denen daher auch ein breiterer Raum gewidmet ist: Kahser, Neichardt und Zelter, denen sich in den letzten Lebensjahren Goethes als vierter noch der junge Felix Mendelssohn anschließt. Zwischen diesen Hnnptpartien aber liegt eine Fülle interessanten nebensächlichen Details.
Augenscheinlich hat der Verfasser ein reiches Material vor sich gehabt nnd sorgfältig durchgearbeitet. Leider hat er es aber verabsäumt, über seine Quellen irgendwelche Rechenschaft zu gebeu. Der Kuudige wird zwar in den meisten Fällen