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Paul Heyse.
So wird England den Herren Bamberger und Sonnemanu wenig Freude bereiten. Geht die wissenschaftliche Bewegung ihren jetzigen Gang dort weiter, weicht die wirtlich babylonische Finsterniß, welche in England über diesem Gebiete lagert, so wird eines schönen Tages die Gvldwährnngspartei sich in der Minorität finden. Behält sie aber das Heft in den Händen und helfen ihr andrerseits Amerika und Frankreich nicht aus der Verlegenheit, so wird sie durch ihre indische Münzpolitik ihre eigne Theorie ö.cl «.»Luräuili führen, und das Ende wird wieder sein: die Doppelwährung.^)
Paul Heyse.
3.
ic Reihe der dramatischen Dichtungen Hcyses beginnt, wenn wir von der früher erwähnten und vom Dichter in seine „Gesammelten Werke" nicht mit anfgcnommnen Jngendschöpfung „Franeesca da Rimini" absehen, mit dem Trauerspiel „Die Pfälzer in Irland" (1854) und der Tragödie „Meleager" (1854). Es ist charakteristisch für einen gewissen Zwiespalt, weicher durch Heyses dramatische Bestre-
des Vimctallismns den Übergang ihrer Länder zur Goldwährung vorhersagten. Die Na- tional-Zeitung spottet freudestrahlend: „Darnach scheinen die Interessenten der Silberwäh- ruug dergestalt am Eude ihrer Weisheit angelangt zu sein, daß sie deu Goldwährungsländern drohen, falls diese die bimetallistischcn Lehren nicht unterstützten, selbst — zur Goldwährung überzugehen." Welcher Triumph der Goldwährung! Die Natiounl-Zeitnng sieht in ihrem naiven Optimismus nicht, daß diese Maßregel ciu Pressionsnlittel gegen die Goldwähruugs- politik ist und deren Rum bcdeutcu würde.
*) Nachschrift der Redaetion. Wir haben dem vorstehenden Artikel gern Aufnahme gewährt, weil jede vermehrte Kenntniß der thatsächlichen Unterlagen der noch so verworrncn Wiihrnngsfrage willkommen sein muß. Im übrigen versteht es sich von selbst, daß die Viiuetallisteu das Hauptfeld ihrer Bckehruugsarbcit in England zu sucheil haben. Es wäre strafbar, Deutschland vcrleitcu zu wollen, daß es mit dem Bimetallismus vorangehe. Die Folge eines so thörichten Schrittes würde sein, daß man uns das Gold abnähme und dann mit dem cutwerthetcn Silber allein ließe. Es würde einige glückliche Goldwährungsländer und eine Reihe hoffnungslos gegen die Silberentwerthung kämpfender Länder geben, unter denen Deutschland die traurigste Rolle von allen spielen würde. Die meisterhafte Direction der deutschen Politik auf der Pariser Miinzconfcrenz macht glücklicherweise alle solche Befürchtungen unnöthig. Der Verfasser des vorstehenden Artikels hat die beiden Fragen nicht unterschieden: „Ist der BimctalliSmns die richtige Grundlage eines Wcltmünzsystcms, so weit eiir solches überhaupt erreichbar?" uud „Kann man Deutschland zumuthcn, zur Herbeiführung eines WeltmnnzshstemS ein andres Verhalten anzunehmen als das auf der Pariser Müuzconferenz eingeschlagne?"