Literatur.
Herzvg Welf VI. und sein Sohn. Von I>. S, Adler. Hannover, Hel- wingschc Verlagsbuchhandlung (Th. Micrzinsky, königl. Hofbuchhändler), 1331. Es siud im allgemeinen sehr dürftige Nachrichten, die wir über das bewegte und ruhelose Lebcu des Herzogs Wels VI., der als Oheim Heinrichs des Löwen und im Besitze reicher Güter iu Schwaben und Baiern, endlich als Herzog von Spoleto uud Markgraf von Tuscien eine hervorragende Stellung im Kampfe zwischen den Hohenstaufeu uud den Welsen, zwischen der kaiserlichen Macht und dein Papstthum einnahm, besitzen. Da die Biographie Weiss, welche Behrens 1329 herausgab, bei dem gewaltigen Aufschwung, welchen die Geschichtsforschung seit jeuer Zeit genommen hat, und bei der Fülle seither veröffentlichter Urkunden- und Quelleuwerke als veraltet augesehen werden muß, war der Versuch, mit Benutzung neuerer Untersuchungen das gesammte Material nochmaliger Durchforschung zu unterziehen, mit Dank zu begrüße«.
Mit großem Fleiße stellt Adler die spärlichen Mittheilungen, die wir über Herzog Wels haben, zusammen und sucht dieselben iu Zusammenhang mit der Reichsgeschichte zu bringen. Daß ihm dies iu jedem Falle gelungen sei. uud daß wir nun ein klares Bild von der politischen Thätigkeit des Herzogs gewonnen haben, können wir nicht behaupten. Der Grund hierfür ist wohl hauptsächlich iu der mangelhaften Ueberlieferung zu suchen und ein Borwnrf dein fleißigen Verfasser deswegen nicht zu machen.
Die christliche Ehe und ihre moderneu Gegner. Von Wilhelm Glock, Stadtvicar in Baden-Baden. Karlsruhe und Leipzig, H. Renther, 1331.
Um die Frage über die Ehe, die so sehr und so tief in das familiäre, staatliche, sociale und kirchliche Leben der Völker und der einzelneu hineingreift, allseitig zu beleuchten und zu lösen und alle Angriffe, die auf die christliche Ehe erfolgt sind, zurückzuweisen, bedient sich der Verfasser der historisch-genetischen Methode.
Nachdem er die christliche Ehe gegenüber der römischen, griechischen und jüdischeil als eine höhere charnkterisirt hat, als „die auf der Geschlechtsgemeinschaft beruhende, ihrer Idee nach unauflösliche, Kiudererzeuguug bezweckende, totale leiblich-geistige Lebensgemeinschaft von Mann uud Weib," schildert der Verfasser sie in ihren wesentlichen geschichtlichen Erscheinungsformen bis zur Fixirnug des katholischen Ehebegriffs auf dem Tridcntincr Coueil. Da hier die größere Heiligkeit und Verdienstlichkeit des ehrlosen Lebens die allgemeine Anerkennung erhielt, war damit für immer die krankhafte Seite des katholischen Ehrbegriffs bestimmt. Weiter zeigt der Verfasser, wie die Reformation den ursprünglichen und unverfälschten christlichen Ehebegriff, gegenüber dem katholischen Ehesacramcnt nnd den päpstlichen Ehedispcnsen nnd Ehehindernissen zum Ausdruck und znr Anerkennung brachte, und wie der Protestautismus, den veränderten soeialen und politischen Zeitverhältnissen Rechnung tragend den sacramentalen Charakter der Ehe, sowie das rigorose, absolute und ausuahins- lose Scheidungsverbot der katholischen Kirche als nnbiblisch uud unchristlich verwarf. Im folgenden wirft der Verfasser noch einen Blick auf das letzte Jahrhundert mit seinen rativnalisirenden uud matcrialisircnden Theologen und Philosophen, welche die Ehe lediglich als einen auf der Basis geschlechtlicher Bereinigung ruhenden Vertrag definirteu, und nachdem er kurz die auf die Ehe bezüglichen Gesetze Friedrichs II.,