98 Briefe des Grafen Friedrich Leopold Stolberg an Johann Heinrich voß.
rathe Ihnen weiter kein Wort darüber zu verlieren. Der Herzog sprach mit sehr vieler Achtung von Ihnen, zeigte mir auch die Inschriften welche Sie für die Monumente seiner Eltern gemacht haben. Senden Sie mir doch eine Abschrift. Wenn Sie wüßten wie schön sie sind so hätten Sie sie mir lange gesandt.
Käthcheus Moses ist kein Scherz, es ist ein kl. Drama in welchem sehr grosse Schönheiten sind.
Gcrstenbergs 600 rth. Wartgeld freuen mich sehr. Wenn er noch unzufrieden ist so hat er warlich Unrecht. Schimmelmann ist aber auch unzufrieden weil er gern mehr gethan hätte u. hofft bey Gelegenheit mehr zu thnn. Diese Unzufriedenheit lobe ich. Wie man Eutin verlassen kann um in Altona zu lebcu ist mir völlig unbegreiflich. Ich würde in Eutin bleiben mit dem Wunsche daß nun uicht mehr in Kopenhagen an mich gedacht würde.
Eine ganze litterarische Gesellschaft in Oldenburg dürstet nach Ihrem Dneaten- scheisscr. Schreiben Sie doch dann u. wann eine Strafe oder ein Paar für mich ab bis Sie fertig sind u. senden ihn nur dann. An Ihrer Stelle würde ich zum Motto nehmen: vaes-vi Uonmusntuin asrs xersnnius!
Ich habe neulich einen Brief von Jacobi der eine Reise nach England macht, gehabt. Ich hatte schon die Hofnung daß er nach Holstein kommen u. ihn Clandins zn mir bringen solte wenn er heimreißte.
Sie haben doch meine Episteln an Agnes n. an Kayserling? Und die Inschriften über Koplau u. die Quelle an welcher Carl XII. ruhte? Dieses Jahr erscheine ich im M A. als ein Invalide mit Episteln u. Inschriften. Aber ich hoffe die Dramata sollen zeigen daß ich die Muse noch als Jüngling herze u. die ew«t uicht «?ro</>c-^t0t sind. Wie spät nehmen Sie noch Beyträge für den M A. an? Haben Sie was gutes? Pfuy! pfuy! daß wir nicht zusammen landvogten und schulmeistern können!
Schulzens Blutspcyen geht mir sehr nahe. Daß der Mann sich an dem Hofe des Prinzen so muß plakken lassen! Ich dächte aber ein solcher Komponist müßte independent leben können. Oder werden auch musikalische Arbeiten nachgedruckt?
Nicolai klagt daß ich ihn vergesse? Die guten Leutgen dort unter dem Pol denken man soll, wie bestrichen von ihren Siberischen Magneten, immer nach Norden Hinsehen. Es frent mich daß Paul so gut ist, u. Ihnen Freude macht. Adieu, bester Voß! cora, ut> valsas! Ich umarme Sie und die gute liebe Ernestiue von ganzem Herzen.
F. L. Stolbcrg.
Ich wolte Euch heute einen langcu Brief schreiben aber ein unvermntheter Besuch hat mir das süße Vergnügen geraubt. Ach daß ich wirklich so offt bey Euch wäre wie mein Geist auf den Flügeln der Sehnsucht u. Liebe zu Euch eilt! Wir sind hier so glücklich. Nur Ihr fehlt uns! wie offt sagen wir uns das, wie offt wünschen wir Euch zu uns, wie gerne verließen wir hier Alles, unsern ruhigen Bach vertauschten wir gerne gegen die schönen Uffer Eures lieblichen Sees deren Schilffgercinsch melodisch zum Abend n. Morgen Gruß unserer innigen Freundschafft töhnen würde! — Ach wie sehne ich mich danach! Meine Seele trauert wenu ich mir sagen mus daß diese unaussprechliche Sehnsucht noch lange ach vielleicht Ewig unerfüllt bleiben wird.
Gott seegne Euch u. Uns! und leite wenn es ihm gefält Seelen die sich so sehr lieben wieder zusammen.
Eure zärtl. Freundin Agnes.